Tragende Geschichten

Tragende Geschichten entstehen aus Erlebnissen, die uns stärker gemacht haben. Eine Geschichte reicht schon, um uns zu ermutigen, weitere Hürden zu nehmen, uns Ziele zu setzen, uns in widrigen Situationen tapfer zu schlagen. Die tragenden Geschichten bauen aufeinander auf. Wenn man sie in 3D drucken könnte, so wäre das Endergebnis ein maßgeschneidertes Paar Flügel.

 

Was ist Deine tragende Geschichte? Möchtest Du sie auch erzählen und als digitale Geschichte festhalten? Wir sind für Dich da: info@storyatelier.org

 

Erfahrungsbericht: Digital Storytelling Workshop mit Senioren

Storyteller Frauenfigur mit geschlossenen Augen und einem kreisrund geöffneten Mund. Jede Menge Kinder in den Armen und auf dem Schoß.

Bereits im Projekt Voices in Between haben wir diesen Reichtum genutzt und die Teilnehmer eingeladen, in einzelnen Beiträgen auf dem Blog Charme und Melone, weitere Geschichten in Wort und Bild zu entfalten. Gerade hat StoryAtelier in Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule Köln einen ersten Workshop mit sechs Teilnehmern der Studie DenkSport durchgeführt. Die Studie untersucht den positiven Effekt von Sport auf die potenzielle Entwicklung von Demenz. Wir wurden durch diese sechs starken Persönlichkeiten immens bereichert. Gleich am ersten Tag erzählte uns Renata die Geschichte einer besonderen Tonfigur. Am zweiten Tag brachte sie sie mit. Am dritten Tag baten wir sie, diese Geschichte für uns festzuhalten. Am fünften Tag schrieb sie sie für uns und für alle anderen auf, die unseren Blog lesen, mögen und hoffentlich auch weiter teilen!

Ein kollektives Erfolgserlebnis

Ein Gastbeitrag von Renata Lück

Nun ist es also vorbei. Die Zeit des Schreibens und Gestaltens hat mit der heutigen Vorführung ihr vorläufiges Ende gefunden. Mit großer Spannung haben wir auf diesen Moment gewartet. Jeder von uns war ziemlich aufgeregt – wann hat man auch Gelegenheit, ein Stück Lebensgeschichte vor so vielen Menschen preis zu geben. Alle sechs Geschichten hatten so viel Tiefgang, waren so berührend. Wenn auch alle gänzlich unterschiedlich, waren sie am Ende durch die Offenheit und Authentizität sehr ähnlich. Durch den Feinschliff, den unsere Geschichten durch die wunderbaren Seminarbegleiterinnen erfuhren, wurde dieser Eindruck noch verstärkt. Die Besucher der Vorführung zeigten sich von den Filmen tief berührt. Sie brachten dies mit bewegenden Worten zum Ausdruck. Der Überraschungsfilm am Ende war ein wohl gelungener und liebevoller Abschluss. Mit viel Fingerspitzen- und Feingefühl wurden kleine Videos und Bilder aus dem Workshop gezeigt, die den Werdegang der einzelnen Arbeiten deutlich machten.

Storyteller: Die Geschichte hinter der Tonfigur

Dem Überraschungsfilm lag eine kleine Tonfigur zugrunde, die eine eigene Geschichte hat… Diese Geschichte spielt im Jahr 1985. Wir waren auf einer Rundreise durch den amerikanischen Westen. In Arizona hatte uns der Grand Canyon mit seiner unermesslichen Schönheit und Weite in sprachloses Staunen versetzt. Nun wollten wir uns mit den Lebensverhältnissen der indianischen Ureinwohner vertraut machen. Der krasse Gegensatz zu der Postkartenlandschaft des Grand Canyon war gewaltig.

Tradition der Native Americans

In einem Reservat standen dicht gedrängt kleine Buden und Verkaufsstände, an denen Kunsthandwerk jedweder Art angeboten wurde. Die Touristen strömten in Scharen an den Ständen vorbei. Es war eine unwirkliche Atmosphäre. Die Native Americans wurden regelrecht zur Schau gestellt. Es war ihnen nicht erlaubt, außerhalb des Reservats ihrer Arbeit nachzugehen. Das US Gouvernement hatte ihnen auf ihrem angestammten Land ein winziges Stück zugewiesen. Sie waren wie eingepfercht. Es wurde uns bewusst, dass auch wir zu den gaffenden Touristen gehörten. Kein schönes Gefühl. Ein Stand mit außergewöhnlichen Tonfiguren zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Viele Figuren in unterschiedlichsten Größen und Ausfertigungen verteilten sich auf den Regalen. Sie hatten alle eins gemeinsam. Frauenfiguren mit geschlossenen Augen und einem kreisrund geöffneten Mund. Jede Menge Kinder in den Armen und auf dem Schoß.

Wissensvermittlung durch Geschichten erzählen

Eine junge Native American saß im hinteren Teil der Bude und formte die Tonfiguren. Auf unsere Frage, ob wir ihr eine Weile zuschauen dürften, bot sie uns Plätze an und lud uns ein, eine Weile bei ihr zu sein. Neugierig fragte ich sie nach der Bedeutung der Figuren. Sie erzählte uns, dass die Indianer ihr Wissen und ihre Weisheiten sowie ihre Geschichten immer mündlich von einer Generation zur nächsten weitergeben. Einzige Ausnahme sind Wandmalereien in alten Felsenhöhlen. Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen.

Frauenfigur verkörpert die große Mutter

Die Frauenfigur verkörpere die große Mutter, die ihre Weisheit aus ihrem Inneren – daher die geschlossenen Augen – aus vollem Herzen und mit weit geöffnetem Mund an ihre Nachkommen weitergibt. Die Kinder in ihren Armen und auf ihrem Schoß stehen für die vielen Generationen. Je mehr die junge Frau erzählte, desto mehr leuchteten ihre Augen. Die Liebe und tiefe Verbundenheit zu ihren Ahnen war fühlbar. Sie erzählte uns, dass sie es als Auftrag der Ahnen sehe, die Figuren herzustellen und zu verkaufen. So werde die Tradition gewahrt und der Lebensunterhalt gesichert. Sie nennt sie „ the Storyteller“! Das alles erzählte sie uns auf eine ganz natürliche und schlichte Weise. Nie werde ich die leuchtenden Augen in dem jungen, weisen Gesicht vergessen. Ich bat sie, eine Figur für mich auszusuchen, die nach ihrer Meinung zu mir passe. Sie legte mir „the Storyteller“ in die Hände. Für mich war dies die Einladung, von nun an das Wissen der Frauen weiter zu geben. So durfte ich einen Teil der großen Traditionen der Indianer in mein Leben übernehmen.

Ein Geschenk an die Frauen von StoryAtelier

Heute habe ich diese Tradition mit großer Freude weiter gereicht. Die kleine Figur ist in den Besitz der Frauen vom StoryAtelier übergegangen – wo sonst soll denn ein“ Storyteller“ auch hingehören!!! Ich danke den wunderbaren Frauen des StoryAteliers, dass sie mir das Geschenk des Annehmens gemacht haben. Übrigens: Die indianische Künstlerin stellt immer noch Tonfiguren her. Sie hat sich zu einer namhaften Künstlerin entwickelt und lebt heute in New Mexico.

Mein Köln

Melina Garibyan Zoobrücke Köln. Cologne the million City Story.

Jeder Mensch stellt sich mindestens einmal im Leben den elementarsten Fragen der Menschheit: Wer bin ich? Wo komme ich her? Was hat mich geprägt? Was bleibt zurück, wenn ich fort bin? Was ist es, dass uns dazu bewegt uns ständig mitteilen zu wollen? Die alten Griechen nannten es „das Streben nach Unsterblichkeit“, die Jugendlichen wollen „berühmt sein“ doch am Ende wollen wir alle nur eins: Unvergessen bleiben. Wir wollen das unser Wirken von Bedeutung für andere war, so klein unser Wirkungsradius auch ist. Wir möchten das unser Einfluss Menschen bewegt und Veränderungen anstößt. Das gibt uns das Gefühl Bedeutungsvoll zu sein. In unseren Workshops tun wir genau das: Wir stellen uns den elementarsten Fragen und suchen nach den Einflüssen in unserem Leben. Wir helfen einen Teil der Lebensgeschichte zu verdichten, zu Papier zu bringen und mit digitalen Mitteln Leben einzuhauchen. In dem Film „Mein Köln“ geht es um diese Fragen. Wo komme ich her, wo lebe ich und was hat mich mehr geprägt? Die Herkunft oder die Lebensumgebung? Gerade in Köln sind diese Identitätsfragen von sehr großer Bedeutung, denn Köln ist bunt! Doch schaut selbst!

VOICES IN BETWEEN – Vom Dunkel ins Licht

Wir beenden die Reihe „VOICES IN BETWEEN“ mit einem letzten, sehr starken Video von Kais, einem weiteren Gründungsmitglied von Voices of Jasmine e.V.. Mit seiner digitalen Geschichte spricht er Gefühle aus, die viele Menschen empfinden. Die Trauer darum, dass das eigene Land nicht mehr das ist, was es mal war. Das Land aus Kindheits-erinnerungen. Viele Träume und Wünsche mussten Platz machen für die Wirklichkeit, auch hier in Deutschland. Dennoch ist die Aussicht seiner Geschichte durch und durch positiv, denn die Revolution war für ihn und seine Freunde die Geburt des Vereins Voices of Jasmine. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei den wundervollen Menschen von Voices of Jasmine e.V., die mit ihrem Talent, Ihren Geschichten und ihrer positiven Weltanschauung bewegt haben.

VOICES IN BETWEEN – Nicht ein Fach!

Voices in between. Nicht ein fach

Heute veröffentlichen wir Zerin Senkayas Geschichte. Auch sie kann einiges zum Thema Integration, Identität und Mentalitäten beisteuern. In ihrer Geschichte über eine „ganz normale“ Kindheit möchte sie mit Klischees aufräumen und zeigen, dass alle in Kindheit und Jugend mit ähnlichen Problemen konfrontiert werden, ob Kurdin, Türkin, Tunesierin oder Deutsche. Egal welchen Ursprungs, dort wo man Wurzeln schlägt, ist man zu Hause!

VOICES IN BETWEEN – Vielleicht geeignet!

Hicham Boutouil reist mit uns in seine Kindheit zurück und erzählt seine Geschichte. Als Deutsch-Marokkaner hat auch er vieles, das seinen Lebensweg geprägt hat. Auf seinem Weg von der „Kölner Eisenbahnerwohnung gegenüber dem Schlachthof“ zur Gründung des Vereins Voices of Jasmine bis hin zu seiner Lebensaufgabe sich allen interkulturellen Fragen zu stellen, begleiten wir ihn ein Stück.

VOICES IN BETWEEN – Faradies

Jugendzentrum Cité ettahrir in Tunis, Tunesien mit neuer Aussenfassade.

Begleitet Ferdaous Kabteni vom Verein Voices of Jasmine. Inspiriert durch die Revolution in Tunesien wurde der Verein „Voices of Jasmine“ (VoJ) von jungen, sozial-engagierten Deutsch-Tunesiern im Jahr 2013 in Köln gegründet. VoJ versteht sich als Sprachrohr für gesellschaftliche Bewegungen und Ideen, die soziale Gerechtigkeit im Sinne des freiheitlich-demokratischen Wertesystems aufgreifen, thematisieren und diskutieren.

Mit wunderschönen Bildern im Koffer und vielen wirren Gedanken entstand diese wunderbare digitale Geschichte. Trotz der postrevolutionären Ernüchterung und einer scheinbar ausweglosen, lethargischen Situation, in der sich die Tunesier heute befinden, schafft Ferdaous Kabteni es mit den Co-Mitgliedern von Voices of Jasmine e.V. Kraft daraus zu schöpfen, um wunderbare, motivierende Projekte auf die Beine zu stellen. Ihre digitale Geschichte war Motor für das Projekt “VOICES IN BETWEEN” und die tunesischen Wochen auf dem Blog von Charme und Melone.

VOICES IN BETWEEN – Bestimmungen

Begleitet heute Majed Mihoub von Voices of Jasmine und schwelgt mit ihm in tunesischen Kindheitserinnerungen. In seinem Beitrag und in seinem Film verarbeitet er ihm wichtige Themen wie Flucht, Identitäten und Integrität aber vor allem möchte er den Hoffnungsschimmer transportieren, den Tunesien gerade jetzt so sehr braucht.

VOICES IN BETWEEN – A digital storytelling project

Digital Storytelling Best practice Beispiel. Voices in between.

Am 12 März starteten wir unseren Workshop mit dem Verein Voices of Jasmine mit dem Titel „Voices with Stories“. Entstanden ist eine Filmreihe, die wir letzlich „VOICES IN BETWEEN“ getauft haben. Geschichten von Menschen zwischen zwei Welten, zwei Kulturen, zwei Mentalitäten, zwei oder mehr Sprachen. Diese Reihe möchten wir fortführen, denn der Reichtum dieser Kulturvermengungen ist in unseren Augen die Antwort auf viele unbeantwortete Fragen unserer Gesellschaft.