Spiele und Geschichten sind ein Teil von uns #MethodJam 2

Lego Serious Play (LSP) Workshop

Playing and telling stories is in all of us. Doing both together can help us understand ourselves better and inspire new processes.

With this in mind, we experienced the second Method Jam on November 2nd, 2018 in the Coworking MaJourie. This time Merjam Wakili was a guest and gave a small and, above all, practical introduction to the methodology of LEGO®SERIOUS PLAY® (LSP).

As I write this post, I relive the beautiful evening without rustling, because my stones are now words.

Mélina Garibyan Method Jam 2
Mélina and Reiner at Method Jam 2

Merjam Wakili

Merjam Wakili was born in Afghanistan and grew up in Germany. When she was a child she didn’t play with Lego. She has experienced a culture that was shaped by stories. She can hardly remember names, but she will remember our stories that we told about our models.

It’s about the story, not the data, the numbers, the facts, the feeling that the story conveys. (Merjam Wakili)

Merjam studied journalism and philosophy. She has traveled to many places around the world and has noticed that she prefers to train people who deal with journalists rather than being a journalist herself. Most recently, she worked for DW Akademie as a media trainer and communications consultant. She is a certified LEGO®SERIOUS PLAY® trainer and is currently starting her own business as a consultant, coach and moderator.

She uses the method in practice, but is not a teaching trainer. In the workshop, she gave us an insight into how she works and what is possible with this method. The workshop took place on two levels:

  1. Practical experience of how clients experience LSP.
  2. Meta level, what’s behind it and Merjam’s view of LSP.

It’s wakili style. I give you what is important to me about the method. (Merjam Wakili)

Merjam Wakili and Mélina Garibyan
Merjam Wakili and Mélina Garibyan

What is LEGO®SERIOUS PLAY® part 1?

LEGO®SERIOUS PLAY® is a method developed by Lego with various possible uses. There are certified trainers who work independently of the LEGO® company and are not provided with their materials. Merjam is often skeptical that she would offer sales events for LEGO®, but that is not the case.

Tatsächlich entwickelte LEGO® die Methodik aus einer Krise heraus. Während im eigenen Unternehmen Veränderungsprozesse notwendig waren, entstand die Idee, dass die bunten Steinchen eine gute Möglichkeit darstellen Veränderungsprozesse zu begleiten. Im Grunde ist LSP keine völlig neue Erfindung, denn die Methode basiert auf bereits bekanntem Wissen.

Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat. (Einstein)

Aktiviere dein Gehirn

Wenn wir mit unseren Händen aktiv werden, ist unsere rechte Gehirnhälfte aktiv. Diese ist unter anderem mit Intuition, Kreativität und ganzheitlichem Denken assoziiert. Während wir mit unseren Händen Modelle bauen und anschließend dazu eine Geschichte erzählen, aktivieren wir tiefes intuitives Wissen, welches häufig unter Struktur, Logik und gelernten Fakten verborgen bleibt.

Dieser Ansatz ist einer Teilnehmerin aus der Gestalttherapie vertraut.

Erlebe den Flow

Dieses Gefühl, wenn es einfach läuft! Es fühlt sich nicht nur gut an, sondern ist meist auch ein produktiver Prozess, wenn wir im „Flow“ sind. Der Flow Ansatz wurde von Mihaly Csikszentmihalyi beschrieben. Wer mehr darüber wissen mag, dem sei dieser Ted Talk mit ihm von 2004 empfohlen.

Auch von Montessori wurde der Flow bereits mit anderen Begriffen beschrieben. In kurz und knapp geht es darum, dass Kinder sich intuitiv die Materialien nehmen, die sie brauchen, daraus etwas Kreatives entstehen lassen und sich dabei weiter entwickeln.

Um eine Flow-Zone von außen zu stellen, braucht es die richtigen Anforderungen, das individuell passende Maß an Herausforderung an die vorhandenen Fähigkeiten. Ist die Herausforderung zu niedrig, entsteht Langeweile und Frustration. Ist sie dagegen zu hoch für die vorhandenen Fähigkeiten entsteht Stress oder Angst. Die optimale Flow-Zone liegt genau dazwischen.

Workshop Aufgabe – Baue eine Ente

Bereits zu Beginn des Workshops lag der Tisch voll mit LEGO® und wir haben unsere Hände bauen lassen, während wir Merjam aufmerksam zugehört haben. Entgegen der verbreiteten Meinung unter Lehrern ist es nämlich durchaus möglich, seine Hände zu beschäftigen und zuzuhören! Wenn beides miteinander in Verbindung gesetzt wird, kann dies sogar das Abspeichern von Wissen fördern.

Nach dem ersten theoretischen Teil wurde es Zeit für eine praktische Aufgabe. Diese versteckte sich in kleinen Adventskalender-Säckchen. Wir erhielten jeder ein Säckchen mit identischen Steinen (6 Stück!) und dieselbe Aufgabe: Baue eine Ente! Hierzu hatten wir nur eine begrenzte Zeit von 60 Sekunden.

Sack with Lego bricks

Anschließend haben wir uns die Enten angesehen und keine glich der anderen. Merjam hat noch nie erlebt, dass es identische Enten gibt. Das zeigt wie einzigartig jeder einzelne ist, wie vielfältig unser individuelles Wissen ist.

Thomas, Mélina and the ducks
Thomas, Mélina und die Enten

Jeder erzählte, was er oder sie beim Bauen gedacht hatte. Es zeigte sich, dass jeder bei dem Begriff Ente andere Assoziationen hatte, die dann herausgestellt wurden. Ich musste zum Beispiel direkt daran denken, dass ich Flügel brauche. Offenbar hatte niemand diese Assoziation, was dazu führte, dass ich mich kurz fragte, ob ich mich vertan hatte und Flügel gar nicht das hervorstechende Merkmal von Enten sind. Direkt hatte ich ein Bild einer schwimmenden Ente im Kopf. Wir neigen sehr dazu in den Kategorien ‚richtig‘ und ‚falsch‘ zu denken, erklärte Merjam.

Alle Ideen sind wertvoll! (Merjam Wakili)

Every duck is unique!
Jede Ente ist einzigartig!

Was ist LEGO®SERIOUS PLAY® Teil 2?

Die Methode hat einen festen Ablauf und 7 Anwendungsfälle.

Core Process LSP

  1. Fragestellung
  2. Bauen
  3. Teilen
  4. Reflektieren

Die erste Herausforderung für den Trainer ist eine geeignete Fragestellung vorzugeben. Diese ist abhängig von der Auftragslage und in der ersten Phase eher allgemein gehalten. Manchmal wird auch früh deutlich, was ein akutes Thema ist. Ein Beispiel: „Wie sieht die interne Kommunikation aus?“.

In der Bauphase wird schweigend gearbeitet. Smartphones und alles andere außer LEGO® werden vom Tisch entfernt. Außerdem wird eine Zeit vorgegeben. Diese Bedingungen sollen den Flow ermöglichen.

Anschließend darf jeder seine persönliche Geschichte zum Modell erzählen.

In der Reflektionsphase dürfen alle anderen Fragen zum Modell stellen, ausdrücklich Fragen, keine Kommentare und schon gar keine Wertungen sind erlaubt. Manchmal versuchen andere Interpretation aufzuzwingen. Hier zeigt sich, wer wem was abspricht. Wir haben im Workshop selbst gemerkt, dass es nicht immer leicht ist, offene wertfreie Fragen zu stellen. Die Fragen selbst sind ein wichtiger Teil des Prozesses, ermöglichen sie, dass weitere Teile der Geschichte erzählt werden.

It is just plastic, you give meaning to it. You tell the story (Ausbilder von Merjam Wakili aus Amsterdam)

Die dritte und vierte Phase finden zirkulär statt. Die Antwort auf eine Frage kann wiederum eine neue Geschichte bzw. Fortsetzung sein. Daraufhin schließen sich weitere Fragen an.

Aufgaben des LSP-Trainers

Merjam gibt zu Beginn des Prozesses einen Impuls mit ihrer Frage. Dann wird sie zur Beobachterin, achtet darauf, dass die Regeln eingehalten werden: Ruhe in der Bauphase und der Fokus auf das Modell in der Reflektionsphase.

Erzähle deine Geschichte anhand des Modells.

Alle Teilnehmer werden immer wieder zurück geholt, versteckte Konflikte von der persönlichen Ebene auf das Modell runter gebrochen. Sätze wie „Du machst/ sagst doch immer“, sind tabu. Auf diese Weise werden Prozesse angestoßen, neue Impulse gegeben, die zu Veränderungen führen.  Wir hatten eine spannende Diskussion über die Erfahrung, dass man in ein Unternehmen geht, dort etwas anstößt, was nicht weiter geführt wird. Merjam geht vollkommen ergebnisoffen in jeden Workshop.

LSP ist auch im Einzelcoaching möglich. Dann kann auch in mehreren Sitzungen an einem Modell gearbeitet werden. Merjam gibt das Modell dann auch schon mal mit nach Hause, damit ihre Klienten sich damit weiter beschäftigen können.

Erst im Storytelling wird klar, was das eigene Modell wirklich bedeutet, dann zeigt sich das Zusammenspiel beider Gehirnhälften.

Merjam Wakili
Merjam Wakili

Der Trainer beobachtet und bildet Hypothesen, behält diese aber für sich. Erst später werden diese Gedanken als Impulsfragen zur Inspiration geteilt, wenn es darum geht auf einem Post-It das Motto zum eigenen Modell festzuhalten. Die Beobachtungen fließen auch in eine mögliche neue Fragestellung ein, wenn eine weitere Runde durchgeführt wird. Entscheidend ist, dass alle Überlegungen des Trainers Hypothesen sind! Es sind selbst wieder Interpretationen. Daher ist es auch wichtig, die eigenen Muster zu kennen. Die Beobachtungen beziehen sich nicht nur auf die erzählte Geschichte, auch auf die Bauphase und das Verhalten der Teilnehmer untereinander. Ein Trainer muss permanent präsent und aufmerksam sein, das Timing für Impulse ist wichtig.

Grundsätzlich gilt: Die Modelle sind etwas ‚heiliges‘. Es ist ein Übergriff an anderen Modell etwas zu verändern. Ein Trainer baut auch niemals die Modelle in Anwesenheit der Teilnehmer auseinander.

7 Anwendungen von LSP

Die folgenden 7 Anwendungen haben alle den Anspruch, dass sie zu einem Ergebnis führen, mit dem der Kunde anschließend weiter arbeiten kann. In Gruppensettings sind für Merjam zehn Personen das Maximum. Werden die Gruppen größer, braucht es entsprechend weitere Trainer. Es werden dann mehrere Tische angeboten, um an derselben Fragestellung zu arbeiten. Der Grund ist einfach: Sie muss alle Teilnehmener begleiten und sich die individuellen Beobachtungen merken, um sie gegebenenfalls später als Impulse wieder rein zu spielen.

  • individuelle Modelle bauen
  • geteilte Modelle bauen
  • eine Landschaft gestalten
  • Verbindungen erstellen
  • ein System bauen
  • Krisen und Entscheidungen spielen
  • Einfache Richtlinien extrahieren

Für das Gestalten von Landschaften stehen große Platten zur Verfügung. Es wird gemeinsam überlegt, welche Agenten es gibt und wie diese zueinander stehen. Um Verbindungen darzustellen gibt es starre und flexible Elemente.

Beim Spiel um Krisen und Entscheidungen wird ein Notfall durch den Trainer vorgegeben. Dies kann zum Beispiel ein Erdbeben oder ein finanzieller Crash sein. Es geht dann darum, wie die Gruppe auf diesen Impuls reagiert, welche Entscheidungen getroffen werden.

Die Werte im letzten Anwendungsfall können beispielsweise Wahrhaftigkeit, Geduld, Flexibilität oder vieles mehr sein. Entscheidend ist herauszufinden, welche Werte für die Gruppe wichtig sind. Sie sind das Ergebnis des gemeinsamen Prozesses.

Praktische Aufgabe im Workshop

Vielleicht habt ihr selbst LEGO® zu Hause und könnt es einfach mal ausprobieren. Es gibt zwar spezielle LSP-Kästen, die man als Trainer bestellen kann. Im Grunde sind es aber vielseitige LEGO® Steine.

Die Fragestellung lautete:

Wie sieht für mich die IDEALE Auftragsklärung aus?

What does the IDEALE order clarification look like?
Wie sieht für mich die IDEALE Auftragsklärung aus?

Hierfür hatten wir 7 Minuten Zeit. Die Aufgabenstellung wurde als unterschiedlich schwierig empfunden. Nicht miteinander zu reden war auch nicht ganz so einfach. Allein die Suche nach den Steinen ist ein kooperativer Prozess.

Im Anschluss haben wir nacheinander die Modelle vorgestellt und anhand des Modells die Impulsfrage beantwortet. So vielfältig die gebauten Modelle waren, so waren es auch unsere Geschichten. Ich habe das als sehr inspirierend empfunden und da ich mein Modell als letzte vorstellen durfte, musste ich mir einen Moment nehmen, um mich von dem Gehörten zu distanzieren, damit ich wirklich meine eigene Geschichte erzähle. Ein paar Überschneidungen hatte es gegeben und doch war jede einzelne Geschichte einzigartig. Die Geschichten der anderen kann ich nicht authentisch wiedergeben, um ein Beispiel zu geben, verlinke ich meine eigene.

Die Galerie zeigt die wunderbare Vielfalt der entstandenen Modelle:

Die Fragen zu den Modellen waren ebenfalls inspirierend und haben einen Austausch angeregt. Allerdings war auch hier die Neigung zur Wertung und Interpretation vorhanden. Dies braucht Übung, nicht nur als LSP-Trainer, auch in allen anderen Trainings-, Beratung- oder Coachingskontexten in denen wir Teilnehmer arbeiten.

Für wen ist LSP geeignet?

Grundsätzlich ist LSP für jeden geeignet! Es ist interkulturell einsetzbar und braucht keine Vorkenntnisse im Umgang von LEGO®. Skepsis, gerade bei Teilnehmern im Unternehmens-Kontext, ist vollkommen normal und legt sich meist dann, wenn sie die Steine in der Hand haben.

Im Gegensatz zu unserem Method Jam fehlen in einem Workshop die theoretischen Hintergründe. Die Methode wird nicht ausführlich vorgestellt. Stattdessen werden kurz die Regeln erläutert, dann gibt es direkt die Fragestellung und das Bauen kann beginnen.

Hands reach for Lego bricks and build

The different experiences with the background noise that we had in the group were interesting. We all built things without being asked to do so. The fingers reached for stones and created things. The result was a typical LEGO® soundscape, which was perceived differently. It was uncomfortably loud for some, others perceived it as pleasant or not particularly.

In the concluding flash light round it was shown that we all went out with different inspirations.

Mélina Garibyan and Merjam Wakili, Leo Serious Play

MethodJam

This was only the second Method Jam, more are planned. Do you also have an interesting method that you would like to introduce to a group of a maximum of 10 participants? Then please send us an email to info (at) storyatelier (dot) org with the subject „Method Jam“.

We will inform you about the next appointment via our website and social media channels. Keep your eyes open, it will be interesting again!

Each Method Jam is a separate event. The participants at the second meeting were completely different from the first time. That may or may not be the case. Come to the topics that are of interest to you. The idea is to be there, participate, learn and network together.

Lego Serious Play (LSP) workshop

[author] [author_image timthumb = ‚on‘] http://storyatelier.org/wp-content/uploads/2018/11/Stephanie.jpg [/ author_image] [author_info] Stephanie Braun, blogger (small comet) and psychologist with Love of stories [/ author_info] [/ author]

Unser erster Method Jam mit Christian Martin und den Learning Battle Cards

Wissen und Methoden teilt man, Kompetenzen und Talent hat man!

Unter diesem Motto steht unsere neue Veranstaltungsreihe „Method Jam“. Einmal im Monat treffen wir uns in einer kleinen Gruppe von maximal zehn Personen im Coworking MaJourie in Köln. In gemütlicher Atmosphäre teilen wir unser Methodenwissen bei einem kleinen Snack, netzwerken und tauschen uns aus.

Method Jam im MaJourie

Lernen gelingt am besten im direkten Austausch, insbesondere wenn die Gruppe vielfältig in ihrem Hintergrundwissen ist. Daher ist auch die Zielgruppe der Veranstaltung breit und die Runde der Teilnehmenden jedes Mal eine andere: Moderatoren, Coaches, Kreative, Künstler, Projektmanager, Storyteller und weitere Berufsgruppen sind willkommen.

Die Idee ist in jedem Method Jam eine oder mehrere Methoden kennen zu lernen, auszuprobieren und sich darüber auszutauschen.

Coworking MaJourie Köln

Method Jam #1 Learning Battle Cards

Der erste Method Jam fand am 7. September von 17 bis 20 Uhr statt. Christian Martin präsentierte uns die „Learning Battle Cards“.

Christian Martin

Christian Martin ist Coach für interkulturelle deutsch-französische Verständigung und E-Learning Experte. Er stammt aus der Bretagne und lebt in der Nähe von Stuttgart.

 

Die Learning Battle Cards sind für ihn eine spannende aus Polen stammende Methode, die er gerne auch in Deutschland einführen würde. Die Runde beim Method Jam war für ihn eine kleine Testrunde, ob Interesse an den Karten besteht. Dabei stellt sich unter anderem die Frage, ob eine Übersetzung der englischsprachigen Karten notwendig und sinnvoll ist.

Was sind die Learning Battle Cards?

Die Learning Battle Cards sind ein Set von 108 Karten. Jede Karte ist einer eigenen Methode gewidmet.

Die Karten sind nur ein Werkzeug, wie ein Hammer, um (Lern)-Strategien zu entwickeln.

Zu Beginn eines Projektes können die Karten dabei unterstützen, die richtigen Methoden zu finden, um das Projekt optimal umzusetzenund bessere Lernkonzepte zu gestalten. Dabei werden die Ziele des Projektes, die Zielgruppe und die vorhandenen personellen und monetären Ressourcen berücksichtigt. Jede Karte beinhaltet Wertungen, die eine gute Orientierung geben können, ob die Technik zu den gegebenen Anforderungen und Möglichkeiten passt.

Welche Techniken sind bei gegebenem Budget in verschiedenen Prozessschritten zielführend?

Teil 1- Mit den Karten vertraut machen

Statt einer Einführung, was genau diese Karten sind und was die Angaben bedeuten, verteilte Christian die Karten auf dem Tisch und forderte uns auf, intuitiv eine aus zu wählen, die uns anspricht. Zu zweit sollten wir uns kurz über die Methoden austauschen.

Teil 2 – Selbst eine Karte gestalten

Um die Angaben auf einer Karte genauer zu verstehen, haben wir selbst zu zweit welche gestaltet. Hierzu ließ uns Christian lediglich sechs Minuten Zeit. Dabei sollten wir festlegen, wie hoch unserer Meinung nach der gewählte Prozess im Produktions- und Zeitaufwand, wie erfolgreich der Lernprozess und wie groß das Engagement beim Nutzer ist. Die einzelnen Werte festzulegen war dabei gar nicht einfach, das Vorgehen nach wie vor intuitiv ohne Erklärungen. So gingen wir sehr unterschiedlich vor, wie in den zwei Entwürfen zum MOOC (Massive Open Online Course) zu sehen ist.

Learning Battle Cards MOOC

Teil 3 – Ein Projekt mit Learning Battle Cards gestalten

Nachdem wir ein wenig vertraut mit den Karten geworden sind, durften wir einen Projektvorschlag auswählen, für welches wir eine Strategie mit den Karten entwickeln würden. Die Zielsetzung lautete: Die beste Ausbildung für die besten Azubis für einen Segelflugzeug-Hersteller zu gestalten.

Bekannt sind das Budget des Klienten, die Bedürfnisse des Kunden, sowie die Zielgruppe und die KPIs des Projektes. Das Projekt erhält ein „Framework“ in Posterform, um die Strategie zu strukturieren. Dabei wird das Projekt in die folgenden Bereiche gegliedert:

  • Analysis – Was braucht das Projekt? Gründliche Analyse des Ist-Zustandes und der Ziele.
  • Awareness – Aufmerksamkeit/ Bewusstsein schaffen bei der Zielgruppe
  • Knowledge – Wissen vermitteln
  • Skills – Fähigkeiten entwickeln
  • Attitudes – Einstellungen positiv beeinflussen, motivieren
  • Implementation – Neues in Altes implementieren
  • Evaluation – Überprüfen des Projektes

Learning Battle Cards Poster

Schritte der Projetvorbereitung mit den Learning Battle Cards im Workshop:

  1. Den kompletten Stapel der 108 Karten durchgehen und prüfen, welche gut, welche eventuell und welche gar nicht zum Projekt passen.
  2. Verteile die Karten auf die einzelnen Bereiche, diskutiere im Team, welche Methoden wie sinnvoll eingesetzt werden können, maximal drei Methoden pro Bereich.
  3. Präsentiere den Plan dem Kunden (der anderen Workshop-Gruppe).

Method Jam - Learning Battle Cards

Umgang mit den Learning Battle Cards

Aus der Erfahrung des Workshops lässt sich sagen, dass die Arbeit mit den Karten uns gezwungen hat, das gesamte Projekt im Blick zu behalten und uns nicht in kleine Detailplanungen zu verlieren. Das kann ein Vorteil sein. Die Karten können als Inspiration in einem kreativen Entwicklungsprozess als Diskussionsgrundlage genutzt werden. Über die Werte auf den Karten haben wir diskutiert, sie erscheinen uns nicht immer stimmig. Einerseits können sie eine gute Orientierung bieten, andererseits auch einschränken, wenn man sie zu ernst nimmt. Einen Haken haben die Karten, sie erklären nicht, wie die einzelnen Techniken funktionieren. Nicht jedem, können alle 108 Möglichkeiten vertraut sein. Es gibt hierzu auch kein Handbuch, lediglich zu einigen Fallstudien. Der Kartensatz ist auch nicht umfassend vollständig, kann er auch nie sein, da stetig neue Methoden entwickelt werden.

Ausblick

Christian Martin schwebt eine Community of Practice vor, die sich gemeinsam über die Einsatzmöglichkeiten der Karten austauscht. Mit den Karten ist vieles möglich, das könnte spannend werden. Von besonderem Interesse sind die Karten für Prozessbegleiter, Führungskräfte und Coaches, beispielsweise für Veränderungs- oder Lernprozesse.

Christian konnte auf jeden Fall wertvolles Feedback aus dem Workshop mitnehmen. Nach den drei gemeinsamen Stunden waren die Teilnehmenden ebenfalls zufrieden und inspiriert.

Fazit zu den Learning Battle Cards

Die Learning Battle Cards sind nicht direkt intuitiv verständlich, sie erleichtern jedoch die Planung von Trainingsmaßnahmen auch unter Zeitdruck, ohne sich in detailreichen Inhalten zu verlieren. Wertvoll sind die Karten vor allem für Nutzer, die über ein breites Wissen an Methoden verfügen.

Wer französisch versteht findet auf LinkedIn Christians Zusammenfassung unseres inspirierenden Abends.

Auch in der letzten „Trainingaktuell“-Ausgabe findet ihr einen Praxistest (€) zu den Learning Battle Cards während unseres Methode Jams.

Es geht weiter #MethodJam

Der nächste Method Jam findet am 2. November von 17-20 Uhr statt und widmet sich der Methode LEGO®SERIOUS PLAY®(LSP). Vorgestellt wird uns die Methode von Merjam Wakili, im MaJourie, Kurfürstenstrasse 8 in Köln.

Kennst du eine interessante Methode, die du gerne in einem nächsten Method Jam vorstellen möchtest? Melde dich gerne bei uns! Auch Teilnehmende ohne Methode sind willkommen.

Anmeldungen für Methodgiver und Methodlearner bitte an: info@storyatelier.org mit dem Betreff „Method Jam“.

Eine Kampagne für den Business Case für Nachhaltigkeit

Alles begann …

mit dem Ende eines Gesprächs, als der Abschied eigentlich schon anstand. Michael Pieck, Leiter des CSR-Kompetenzzentrums Rheinland und Astrid Nierhoff, Geschäftsführerin der Kölner StoryAtelier gGmbH sinnierten über Möglichkeiten, aus der Filterblase der bereits nachhaltig engagierten Unternehmen in der Region heraus zu kommen. Warum dann nicht eine Kampagne für den Business Case für Nachhaltigkeit starten? Ambitioniert? Sicher doch! Der Business Case umfasst die handfesten, wirtschaftlichen Argumente, sich FÜR eine nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens zu entscheiden. Schnell war auch Stephan Multhaupt, CSR-Botschafter und mit deep white Spezialist für die Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Business Analytics & Intelligence, für das Vorhaben gewonnen. Gemeinsam mit den Teamkolleginnen Mélina Garibyan (StoryAtelier), Mirjam Gawellek (CSR-Kompetenzzentrum) und Anna Muntzos (deep white), planten wir einen ersten Informations- und Diskussionsabend um auf Tuchfühlung zu gehen.

Endlich war es soweit

Als am 27, September über 45 Menschen die mit großen Glasfronten versehene Bio-Kochschule füllten, blieben auch Passanten neugierig stehen.

BioGourmetClub Köln

Nach einer kurzen Begrüßung durch Astrid Nierhoff und einer Vorstellung der Arbeit des CSR-Kompetenzzentrums durch Mirjam Gawellek, gab Majoori Buchhalter, als engagierte Chefin des BioGourmet Clubs, interessante Einblicke in den Alltag eines nachhaltig agierenden Unternehmens. Alles, von den Gerichten & Getränken über die Wandfarbe, die Flyer und den IT-Server bis hin zur gelebten Kultur, wird hier aus der Sicht der Nachhaltigkeit betrachtet und entschieden. Es ist nicht immer einfach und in den Anfängen galten sie als Exot, doch die Akzeptanz und der gute Ruf haben sich heute gefestigt. Anschließend gab Stephan Multhaupt einen kurzen Impuls zum Business Case CSR.

Astrid Nierhoff & Stefan Multhaupt

Warum ist CSR für Unternehmen sinnvoll?

CSR steht für „Corporate Social Responsibility“ und bezeichnet viel mehr als soziales Engagement. Es geht darum, dass Unternehmen in der Art wie sie wirtschaften Verantwortung übernehmen, für ihre Mitarbeitenden, die Umwelt, die Gegenwart und die Zukunft. Der Engagement Index zeigt, dass lediglich 15% der Mitarbeitenden engagiert bei der Arbeit sind, sich emotional gebunden fühlen. Dagegen projizieren sich bereits weitere 15% in die Rente oder in den nächsten Job. Die übrigen 70% fühlen sich mäßig dem Unternehmen verbunden und sind entsprechend mäßig motiviert. Andere Zahlen zeigen, dass 20% der Mitarbeiter gar nicht voll leistungsfähig sind, aufgrund psychischer oder physischer Belastung. Dem kann mit einem guten Gesundheitsmanagement entgegen gewirkt werden. Werden die Bedürfnisse und Interessen der Mitarbeitenden berücksichtigt und sie stärker in das Unternehmen eingebunden, wirkt sich dies positiv auf ihre Arbeitsleistung und somit auch positiv auf den Umsatz aus. Dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Diese verantwortungsbewusste Haltung nach innen ins Unternehmen und außen mit dem Blick auf Gesellschaft und Umwelt hat nicht nur einen ethischen Wert, sondern auch messbar finanzielle Vorteile. Das bedeutet konkret, dass CSR immer ein Teil der gesamten Unternehmensstrategie sein muss und kein optionales Modul ist. Die Ziele und Maßnahmen müssen ins Geschäftsmodell passen.

Business Case CSR steht für

#mitmachen
#Verantwortung übernehmen
#Gegenwart verändern
#Zukunft gestalten

Wie kann CSR im Unternehmen gelingen?

Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam Strategien zu entwickeln, wie eine gute Umsetzung in Unternehmen gelingen kann und wie insbesondere Unternehmen angesprochen werden können, die dem Thema noch fern sind. Im Raum steht die Idee, eine eigens dafür ausgelegte, öffentliche Kampagne zu starten. Um das vielfältige Wissen der Teilnehmenden in einen produktiven Austausch zu bringen, wurde ein „World-Café“ mit drei Tischen angeboten.

Methode World Café

Das Grundprinzip des World Cafés ist es, eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu schaffen, die den kreativen Austausch fördert. Hierzu hat jeder Tisch eine eigene Fragestellung, über die in kleinen wechselnden Gruppen frei diskutiert werden kann. Während die Themen an den Tischen bleiben und die Gäste wechseln, können Ideen aufgegriffen und weiter gedacht werden, was den Austausch von Wissen und Ideen fördert.
Jedem Tisch ist ein fester Gastgeber zugeordnet. Diese Person bleibt über alle Runden hinweg am Tisch. Gastgeber müssen nicht moderieren, sie heißen die Neuen willkommen und fassen kurz und knapp die bisherigen Erkenntnisse zusammen. Die Gäste wechseln in jeder Runde die Tische, bringen eigene Ideen ein und halten diese schriftlich fest. Alle tragen die gleiche Verantwortung für den Verlauf der Diskussionen.

World Café CSR

Es waren drei Runden vorgesehen:

  1. Brainstorming (Ideen, Verbindungen, vertiefende Fragen)
  2. Ergänzen und Clustern
  3. Ideen für die Zukunft, Projektvorschläge

Die drei Tische

Tisch 1 – „Was sind Hürden, die mir in meinem Unternehmen begegnet sind, wenn es um Nachhaltigkeit geht?“ – Gastgeber Enno Urbeinz, CSR-Manager

CSR World Café

Tisch 2 – „Wie trage ich dazu bei, um mein Unternehmen nachhaltig auszurichten? Welche Form der Unterstützung wünsche ich mir?“ – Gastgeberin Mélina Garibyan, Story Atelier Cologne

CSR World Café
Tisch 3 – „Was sind meine Erwartungen und Wünsche an eine Kampagne für den Business Case für Nachhaltigkeit?“ – Gastgeberin Ute Lange, i2Kommunikation

CSR World Café

Kaum waren die Gastgeberrollen verteilt, kam Bewegung in die Gruppe. Die Tische für die erste Runde waren schnell besetzt und die Teilnehmenden rasch in ein kreatives Brainstorming vertieft. Karten mit Schlagworten wurden an allen Tischen geschrieben und ein angeregter Austausch begann. Bereits in der ersten Runde wurde an Tisch 2 versucht, die Ideen zu strukturieren. Am dritten Tisch wurden bereits einzelne Karten angepinnt. Am ersten Tisch stellte der Gastgeber Enno Urbeinz zu Beginn der zweiten Runde seinen neuen Gästen die gesammelten Ideen kurz vor und sortierte sie dabei in Stapeln. Der erneute Austausch konnte starten. Auch die Gastgeberinnen der anderen beiden Tische, Ute Lange und Mélina Garibyan, gaben eine kurze Einführung. Die Ideen der ersten Runde wurden diskutiert und ergänzt. Auch in der dritten Runde entstanden noch neue Karten.

CSR World Café

Nebenbei gab es kleine Networking-Gespräche abseits der Tische. Es befand sich unheimlich viel Wissen und Kompetenz im Raum – Ingenieure, Betriebswirte, Berater, Designer, Vertreter der Kommunikation- und Marketingbranche & Co. Dank unterschiedlichem Background ergab sich ein angeregter Erfahrungsaustausch. Es war wertvoll, durch die Rotation an den Tischen verschiedene Blickwinkel einzunehmen und neue Impulse aufzugreifen. Zeitweise ergaben sich parallele Diskussionen an den Tischen.

Ergebnisse des World Cafés

Tisch 1 – „Was sind Hürden, die mir in meinem Unternehmen begegnet sind, wenn es um Nachhaltigkeit geht?“ – Gastgeber Enno Urbeinz, CSR-Manager

Tisch 1 hat die Hürden in Persönliches, Business und Rahmenbedingungen unterteilt.

Persönliche Hürden sind etwa Einstellungen und Wissen. „Ich fühle mich nicht geeignet“, „ich habe keine Lust“, „es ist nicht meine Priorität“ fallen als typische Aussagen. Aus der Business-Perspektive stehen Äußerungen wie „Ich habe ganz andere Ziele und Zahlen, die ich erfüllen muss.“ Oder Leute versprechen Dinge und halten sie nicht. Zu den Rahmenbedingungen zählen die Gesetzgebung auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene, aber auch Vorschriften innerhalb der Organisation, bzw. des Unternehmens.

Der Tisch hat sich schnell von den Hürden hin zu Lösungsvorschlägen bewegt, um diese zu überwinden. Auf der persönlichen Ebene scheint es wichtig, an die individuellen Ziele des Mitarbeiters anzuknüpfen. Zum Beispiel im Einkauf schauen, dass die Sachen recyclingfähig sind und nachhaltig produziert und transportiert werden. Was wiederum bessere Rahmenbedingungen auf den Plan ruft. Es bleibt zum Beispiel für das einzelne Unternehmen ein enormer Aufwand, die Nachhaltigkeit von Lieferketten zu überprüfen. Hier wäre eine internationale Informationsplattform wünschenswert. Des Weiteren hilfreich ist ein Netzwerk an Mitarbeitern, die dem Thema gegenüber offen sind und es verstanden haben. Sie können als Botschafter in allen Bereiche eingesetzt werden. Dies kann lokal aber auch in internationalen Teams möglich sein, doch dafür muss auch die richtige Sprache gefunden werden.

Bei allem soll es nicht darum gehen, Druck aufzubauen, sondern vielmehr Appetit anzuregen. Dies kann dadurch gelingen, dass CSR zunächst auf einzelne Bereiche oder Beispiele herunter gebrochen wird, die verstanden und nachvollzogen werden. Kleine Maßnahmen zu würdigen hilft gegen das Gefühl, das Thema sei einfach zu riesig, man selbst sei zu klein und ohnmächtig. Das kann damit anfangen, in der Cafeteria Pappbecher durch Porzellan zu ersetzen. Auf der Business-Ebene gilt: Unternehmen müssen den Rahmen klar abstecken, die Führung muss überzeugt sein, um zu überzeugen: „Da wollen wir als Organisation hin.“ Auf dem Weg dahin helfen auch Coaching und Beratungsmaßnahmen. CSR-Beauftragte können mit Best-Practice Beispielen und Gesprächen die Mitarbeiter motivieren. Am Ende gilt: Grün muss nicht teuer sein, doch der Mehrwert für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten muss sichtbar sein.

Tisch 2„Wie trage ich dazu bei, um mein Unternehmen nachhaltig auszurichten? Welche Form der Unterstützung wünsche ich mir?“ – Gastgeberin Mélina Garibyan, StoryAtelier

Hier wurden zwei Cluster bespielt: Intern & Extern.

Intern: Ob für Abfallwirtschaft, Beschaffung oder andere Geschäftsbereiche des Unternehmens: Wesentlich für das eigene Engagement ist auch ein klares Statement der Geschäftsführung, dass CSR strategisch in die Unternehmenskultur integriert wird. Nachhaltigkeit hat viele Aspekte: Diese müssen im Unternehmen zunächst definiert und strukturiert angegangen werden, damit der Aufbau eines nachhaltigen Geschäftskonzepts möglich ist. Bei der Umsetzung geht es insbesondere für die Geschäftsführung darum, CSR konsequent vorzuleben und genug Anreize zu schaffen, damit dies auch von den Mitarbeitern getan wird. „Vorbild sein“, „machen statt fordern“ stehen im Vordergrund.

Extern: Nach wie vor scheinen vereinfachte gesetzliche Regelungen nötig, zum Beispiel um die Digitalisierung voran zu treiben. Unternehmen tun gut daran, zunehmend mit weiteren Unternehmen und Partnern zusammen zu arbeiten, die ebenfalls nachhaltig wirtschaften. Auch an diesem Tisch sind Netzwerke ein wichtiges Element auf dem Weg zu CSR: Mitarbeiter können ihre Beziehungen und Netzwerke zum Anstiften nutzen, um somit auch nach außen hin für Partner ein Bewusstsein zu schaffen. Die Meinung, CSR sei zu teuer, hält sich noch hartnäckig. Um weitere Unternehmen, Partner und Mitarbeiter anzustiften, ist jede/r Mitarbeiter/in gefragt. Insbesondere jene, die sich auch privat mit dem Thema beschäftigen, können darüber sprechen und Ideen streuen. Das Stichwort „partizipativ“ steht am Ende als ein wichtiger Schlüssel, damit die kollektive Anstiftung im Unternehmen gelingt.

CSR World Café

Tisch 3 – „Was sind meine Erwartungen und Wünsche an eine Kampagne für den Business Case für Nachhaltigkeit?“ – Gastgeberin Ute Lange, i2Kommunikation

Hier grenzten die Gäste das Thema ein auf Verbände und Unternehmen, Verbraucher wurden zunächst nicht betrachtet. Eine Kampagne solle so aussehen, dass sie Unternehmen verschiedener Größen und in verschiedenen Lebensphasen anspricht. Vom Startup bis zum 100-jährigen Familienunternehmen, weshalb es keine „one-size-fits-all“ Kampagne geben kann, ein Format, das für alle gültig ist.

Die Ziele, die definiert wurden:

1) Mehr Unternehmen für die Idee begeistern, mehr dafür werben und sensibilisieren, dass CSR für sie einen Nutzen hat. Sehr wichtig ist dabei der Anspruch, keine pädagogisierende Kampagne mit erhobenem Zeigefinger zu führen. Statt dessen sollten Best-Practice Geschichten im Vordergrund stehen, ganz konkrete, alltagspraktische Dinge.

2) Einen positiven, wertschätzenden Peer-Pressure entstehen lassen: Es gibt andere, die sind schon ein bisschen weiter und bei denen kann man sich etwas abgucken.

3) Ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass wir alle in einem Kreislauf leben. Alles was wir machen und produzieren verschwindet nicht, sondern kommt irgendwie zurück – leider oft nicht in der Form, die wir gutheißen und uns guttut, wie das traurige Beispiel des Plastikmülls in unseren Ozeanen zeigt.

Die Mittel der Kampagne, das „Wie“:

1) Einfach, motivierend, barrierefrei (technisch und redaktionell), mit der richtigen Sprache und die richtigen Beispiele für die jeweiligen Zielgruppen. Um mit Vorurteilen zu brechen – z.B. Nachhaltigkeit sei etwas für Spinner, Hippies und Veganer – müssen wir den Bildern im Kopf andere Bilder entgegensetzen: Zu den nachhaltig agierenden Menschen gehört auch der Bäcker, so wie man sich einen Bäcker vorstellt. Es geht darum, Visionen zu schaffen.

2) Dafür sollen alle Kanäle und Formate bespielt werden, analog wie digital, um den Dialog zu fördern. Wichtig ist dabei, auch vorhandene Medien nutzen: Wo gibt es schon Andockpunkte (z.B. vorhandene IHK-Tools)? Was sind meine Zielgruppen? Wie kann ich sie mit dem, was schon da ist, besser bespielen, statt etwas komplett Neues aufzubauen, das wieder keiner wahrnimmt oder bei dem alle sagen: „Oh Gott, das wird mir zu viel für meine kurze Lebenszeit!“

3) Branchenorientierte Trailer: Da, wo zum Beispiel schon CSR-Botschafter oder CSR-Manager sind, Firmenbeispiele sammeln und auf unterschiedlichen Kanälen zeigen: z.B. mal eine nachhaltige Betriebsfeier zeigen, das kann ich sofort umsetzen. Analog dazu kann ein Mentorenprogramm gut funktionieren, mit Mentoren, die durch das Unternehmen laufen und auf die vielen kleinen Dinge aufmerksam machen, mit denen man viel erreichen kann.

4) Webinare: kein Mensch liest mehr Leitfäden. Nachhaltigkeit muss sexy sein, sprich den Mediennutzungsgewohnheiten entsprechen. 

Fazit und Ausblick

Nach drei intensiven Runden im World-Café gab es verschiedene Kostproben des BioGourmet Kochclubs und Gelegenheit für Gespräche.

Das Feedback der Teilnehmenden war sehr positiv. Die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen wurde sehr geschätzt. Ein Teilnehmer freute sich, dass „nicht die üblichen Verdächtigen“ anwesend waren, sondern er Gelegenheit hatte, neue Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Die Ergebnisse des World Café sind noch sehr breit aufgestellt. Eine fertige Strategie wäre für einen Abend auch ein zu hohes Ziel. Es ist bereits ein guter Grundstein gelegt mit dem sowohl gemeinsam, als auch in den einzelnen Unternehmen weiter gearbeitet werden kann.

Am Ende wurden die Teilnehmer dazu eingeladen, sich für weitere Aktionen im Rahmen einer Kampagne mit jeweils eigenen Ressourcen zu engagieren. Ein gutes Drittel sind der Einladung gefolgt, das gibt uns ein gutes Gefühl. Die nächsten Treffen sind dazu gedacht, diese Gruppe zu festigen und konkret in die Planungen zu gehen. Möchten Sie informiert bleiben, sich engagieren und sind noch nicht in unserem Verteiler? Dann schreiben Sie eine kurze Nachricht an anierhoff@storyatelier.org!


Dieser Beitrag wurde geschrieben von Stephanie Braun und Astrid Nierhoff.

Storytelling Workshop: Ein Erfahrungsbericht

Storytelling Seminar in Köln. Mädchen mit fliegenden Haaren und Seifenblasen

Ein Erfahrungsbericht aus dem digital Storytelling- Projekt „Voices in between“ von Ferdaous Kabteni 

Als Kind hatte ich immer diesen Traum vom Fliegen. Durch das Fenster hinaus in die weite Welt. Nicht zu weit, nur soweit wie ich den Weg zu meinem trauten Heim zurückfand. Sogar im Traum war ich verkopft und trotzdem fühlte ich mich unbeschwert und frei wie eine Pusteblume. Vom Fliegen träume ich schon lange nicht mehr. Stattdessen stelle ich mein Handy auf Flugmodus, wenn ich mir die Freiheit nehme, gerade nicht erreichbar sein zu wollen. Verrückte Welt. Peter Pan hatte Recht damit, nicht Erwachsen werden zu wollen, und dabei gab es im Nimmerland nicht einmal diesen digitalen Hokuspokus. Nur Captain Hook, Tinker Bell, Wendy und der Traum vom Fliegen. Tolle Geschichte denke ich und blicke in die Runde.

Was ist „Digital Storytelling“ eigentlich?

Es ist Samstag in der Früh und ich sitze mit fünf weiteren Teilnehmern in einem Workshop zum digitalen Geschichten-Erzählen – mit nichts außer Flausen im Kopf. Dabei wurde uns im Vorfeld angeraten, eine Geschichte vorzubereiten oder zumindest eine Idee für eine zu haben. Eine Geschichte über sich selbst und was einen als Mensch auszeichnet. Was es über mich zu erzählen gibt? Wahrscheinlich so einiges. Es wird nicht einfach einen Teil meines Lebens auf höchstens dreihundert Wörter herunter zu brechen. Ich frage mich, ob die anderen Teilnehmer schon ein Skript parat haben. „Digital Storytelling“, erklärt die Trainerin, „ist die Symbiose zwischen moderner Technik und der tradierten Kunst des Geschichten-Erzählens, an dessen Ende ein drei-minütiges Video herauskommen soll“, untermauert mit der eigenen Stimme. Avantgardistisch! Vielleicht ist es auch nur eine weitere Möglichkeit, dem narzisstischen Treiben unserer Zeit ein zusätzliches Werkzeug in die Hände zu geben, denke ich kritisch.

Zeit für sich selbst

Dann geht es an die Arbeit. Anhand von einigen Kreativ-Übungen, bei denen es darum geht, in sich hinein zu horchen, in Erinnerungen zu schwelgen, versuchen wir uns an unsere Geschichten heranzutasten. Es geht um die eigene Kindheit und Jugend, geliebte Menschen und Orte und meinem Traum vom Fliegen. Plötzlich liegen alle Emotionen ausgebreitet vor mir. Es ist, als würde man einer längst vergessenen Seite von sich selbst wiederbegegnen. Notgedrungen sieht man sich der Frage gegenüberstehen: Bin ich zufrieden mit dem Menschen vor dem Spiegel? Bin ich das geworden, was ich sein wollte oder habe ich den Kampf um Integrität unterwegs längst verloren?

Selbstoptimierungswahn. Konsum. Burn-out.

Es wird klar, dass weder ich noch die Anderen im Raum mit diesem Tiefgang gerechnet haben. Dieser ist unabwendbar, um eine authentische Geschichte zu erzählen. Wir sind so sehr damit beschäftigt, nicht die Kontrolle über unsere Gefühlswelt zu verlieren, dass wir uns keine Zeit mehr nehmen können für Kreativität und Zerstreuung. Selbstoptimierungswahn. Konsum. Burn-out. Wir hetzen durch das Leben, getrieben von der Illusion immer auf dem neusten Upgrade sein zu müssen. Der Kopf, die To-do-liste, der Cloud-Speicher ständig voll.

Öfter auf Flugmodus schalten

Mir wird klar, warum ich nicht mehr vom Fliegen träume. Das Leben bürdet uns im Laufe unserer Reise eine Menge Ballast auf und wir zahlen bereitwillig dafür. Mit jedem Kampf, den wir verlieren, jedem Traum, der platzt, mit dem „zu Viel vom Belanglosen“ und dem „zu Wenig vom Gehaltvollen“ verlieren wir unsere Unbeschwertheit und Leichtigkeit. Um uns selbst wieder spüren zu können, sollten wir öfter auf Flugmodus schalten, Inne halten und Übergepäck über Bord werfen. Reduktion aufs Wesentliche. Das geht manchmal auch in nur drei Minuten, digital auf Video.

#DemokratieChat

DemokratieChat auf Twitter.

Folgt uns auf Twitter!

Das gesellschaftspolitische Geschehen beschäftigt uns sehr. Wir sind fest überzeugt, dass der offene Dialog, Erfahrungsaustausch und das Teilen von persönlich erzählten Geschichten die Grundlage sind, um Dinge aktiv und konstruktiv mit zu gestalten. Wir brauchen Räume, um Ängsten zu begegnen und Vorurteile abzubauen. Um ein objektives Bild zu bekommen, bedarf es vieler Geschichten, vieler Perspektiven und Lebensentwürfen.

StoryAtelier gGmbH schafft genau diese Räume. Real und Virtuell.

Wir nutzen Storytelling als annäherndes und verbindendes Glied, als Ventil für Unverständnis und für ein besseres Miteinander. Da es unser Ziel ist, noch mehr Menschen zu erreichen, haben wir den #DemokratieChat gestartet. Dieser findet regelmäßig an jedem ersten Freitag des Monats statt.

Der digitale Wandel beeinflusst uns und wir sollten diesen Wandel im demokratischen Sinne mitgestalten. Inspiriert durch den SozialChat wurde der #DemokratieChat von StoryAtelier thematisch angepasst. In einer Stunde werden 7-8 Fragen rund um das Thema Demokratie gestellt. Jeder kann teilnehmen und seine Antwort dazu geben. Einzige Voraussetzungen: Ein Twitteraccount und respektvolles, konstruktives Miteinander.

Was ist DemokratieChat?

#DemokratieChat ist ein Twitterchat unter dem „hashtag“ #DemokratieChat.

Wer kann teilnehmen?

Jede/r, die/der einen konstruktiven Beitrag für eine bessere Gesellschaft leisten möchte. Ihr braucht nur einen Twitteraccount.

Wann findet es statt und wie funktioniert das Ganze?

Wir treffen uns jeden ersten Freitag von 20:00-21:00 Uhr auf Twitter unter dem hashtag #DemokratieChat (moderiert durch @StoryAtCologne) und diskutieren über 7-8 Fragen zum Thema Demokratie, die von Moderator/innen im 10 Minuten-Takt getwittert werden. So stellen wir auf Twitter die Fragen: F1: Was ist Demokratie für Dich? So antworten die Teilnehmer: A1: Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung (Beispiel). Vergesst bitte nicht den Hashtag #DemokratieChat hinzuzufügen, um in der timeline zu erscheinen.

Was braucht ihr, um teilnehmen zu können?

Einen Twitteraccount, den ihr hier anlegen könnt.
Wie das mit Twitter funktioniert, dazu hat Sabine Depew, Mitorganisatorin des SozialChats hier etwas geschrieben. Füge den hashtag #DemokratieChat zu deinen Tweets hinzu, damit sie im Chat erscheinen. Wenn du auf die Antworten anderer Chatteilnehmer antworten willst, nutze die „Reply”-Funktion von Twitter.

Gibt es Regeln beim #DemokratieChat?

Ja, es gibt eine einzige Regel. Respektvolles Miteinander.

Wer steckt dahinter?

Entwickelt und gegründet wurde der #DemokratieChat von dem StoryAtelier gGmbH-Team Astrid Nierhoff und Mélina Garibyan. Unterstützt wurden wir vom Atelier für Leichte Sprache, Gunnar Kaiser vom KaiserTV und dem SozialChat-Team. Herzlichen Dank dafür!

Seid also dabei und zwitschert mit (Account @StoryAtCologne)

Der nächste DemokratieChat: FREITAG, 01.12.2017 ab 20 Uhr
Das Thema diesmal ist „Innovation & Tradition“

Hier schon mal die Fragen:

F1: Was bedeutet Innovation für die Demokratie?
F2: Was bedeutet Tradition für die Demokratie?
F3: Wie kann man Tradition und Innovation demokratisch vereinen?
F4: Wer sollte darüber entscheiden welche Tradition/ Innovation gut für die Demokratie ist?
F5: Welche demokratischen Traditionen helfen uns in Zukunft?
F6: Was ist eine Liquid Democracy?
F7: Wie könnte eine digitale Partzipation in einer Demokratie aussehen?
F8: Welches Thema interessiert Euch für den nächsten #DemokratieChat?

 

Vorangegangene Termine:

06.10.2017 #DemokratieChat & #SozialChat wurden Aufgrund der #btw17 zusammengelegt unter #SozialDemokratieChat

F1: Welche Auswirkung hat der Wahlausgang für die Sozialwirtschaft/ Soziale Arbeit?
F2: Was kann Politik tun, um zivilgesellschaftliches Engagement zu unterstützen?
F3: In welchen Bereichen – auch der Sozialen Arbeit – fehlen bislang partizipative Konzepte?
F4: Wie lassen sich bürgerschaftlichen Engagement und professionelle Soziale Arbeit gut miteinander verknüpfen?
F5: Welche Aufgaben hat Soziale Arbeit für die Zukunft (Stichwort Fachkräftemangel, Altersarmut, Zuwanderung…)?
F6: Inwieweit könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen soziale Arbeit fördern?
F7: Ist Soziale Arbeit ohne Demokratie denkbar & wie sähe das aus?
F8: Hat Euch das heutige Zusammenlegen der beiden Formate #SozialChat & #DemokratieChat gefallen & warum?

01.09.2017 THEMA DEMOKRATIE UND BILDUNG

F1: Was hat Bildung mit Demokratie zu tun?
F2: Welchem Auftrag kommt unser Bildungssystem nach?
F3: Was können wir als Eltern und Bürger tun / was kann die Landespolitik tun, um Lehrkräfte besser zu unterstützen?
F4: Wie müsste unser Schulsystem für mehr Chancengleichheit aufgestellt sein?
F5: Wie kann unser Bildungssystem mehr kritisches Denken und freie Meinungsäusserung vermitteln?
F6: Sollten Eltern für ihr Kind selbst den Bildungsweg wählen dürfen? (Schule, Homeschooling etc)? Warum?
F7: Bildungseinrichtungen und somit die Schüler leiden an Geldkürzungen. Was kann getan werden?

04.08.2017 THEMA DIGITALISIERUNG UND DEMOKRATIE

F1: Wie kann der digitale Wandel zur Demokratie beitragen?
F2: Was an der Digitalisierung könnte Demokratie gefährden?
F3: Warum sollte Politik Algorithmen regulieren?
F4: Wie kann Digitalisierung gerecht mitgestaltet werden?
F5: Ist das Netz die freiheitlichste Kommunikationsform der Welt?
F6: Kennt ihr ein pos. Bespiel für gelungene Digitalisierung im Sinne der Demokratie?
F7: Welche Themen wünscht ihr Euch für den nächsten DemokratieChat?

07.07.2017

F1: Heißt Demokratie: Alle Meinungen respektieren?
F2: Setzen sich Politiker/Parteien genug mit der Lebensrealität aller Bürger aktiv auseinander?
F3: Sind Medien in einer Demokratie objektiver?
F4: Wo hat Demokratie ihre Grenzen?
F5: Stichwort Meinungsfreiheit/ Redefreiheit: Kann Humor die Grenzen überwinden oder gibt es Grenzen für Humor?
F6: Sind Parteien lästig oder unverzichtbar?
F7: Was ist wichtiger: Freiheit oder Gleichheit?
F8: Was sind eure Fragen für den nächsten DemokratieChat?

Schaut Euch vom 07.07. Gunnar Kaisers Lifestreaming Video mit uns an:

02.06.2017

F1: Welche Barrieren hindern Menschen an der Demokratie mitzuwirken? Wie kann man diese abbauen?
F2: Sollte das Wahlalter gesenkt werden?
F3: Ist die Demokratie mehr als das Prinzip, die Mehrheit über die Minderheit herrschen zu lassen?
F4: Würde ein bedingungsloses Grundeinkommen die tiefe Wohlstandskluft in der Gesellschaft schließen?
F5: Welche Alternativen gibt es zur Demokratie?                                                                                                                        F6: Welche Rolle spielen die Medien in einer Demokratie?                                                                                                          F7: Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf die Demokratie? (Ressourcenknappheit, Menschenrechte)
F8: Was sind eure Fragen für den nächsten DemokratieChat?

Schaut Euch vom 02.06. Gunnar Kaisers Lifestreaming Video mit uns an

 

Tragende Geschichten

Tragende Geschichten entstehen aus Erlebnissen, die uns stärker gemacht haben. Eine Geschichte reicht schon, um uns zu ermutigen, weitere Hürden zu nehmen, uns Ziele zu setzen, uns in widrigen Situationen tapfer zu schlagen. Die tragenden Geschichten bauen aufeinander auf. Wenn man sie in 3D drucken könnte, so wäre das Endergebnis ein maßgeschneidertes Paar Flügel.

 

Was ist Deine tragende Geschichte? Möchtest Du sie auch erzählen und als digitale Geschichte festhalten? Wir sind für Dich da: info@storyatelier.org

 

Erfahrungsbericht: Digital Storytelling Workshop mit Senioren

Storyteller Frauenfigur mit geschlossenen Augen und einem kreisrund geöffneten Mund. Jede Menge Kinder in den Armen und auf dem Schoß.

Bereits im Projekt Voices in Between haben wir diesen Reichtum genutzt und die Teilnehmer eingeladen, in einzelnen Beiträgen auf dem Blog Charme und Melone, weitere Geschichten in Wort und Bild zu entfalten. Gerade hat StoryAtelier in Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule Köln einen ersten Workshop mit sechs Teilnehmern der Studie DenkSport durchgeführt. Die Studie untersucht den positiven Effekt von Sport auf die potenzielle Entwicklung von Demenz. Wir wurden durch diese sechs starken Persönlichkeiten immens bereichert. Gleich am ersten Tag erzählte uns Renata die Geschichte einer besonderen Tonfigur. Am zweiten Tag brachte sie sie mit. Am dritten Tag baten wir sie, diese Geschichte für uns festzuhalten. Am fünften Tag schrieb sie sie für uns und für alle anderen auf, die unseren Blog lesen, mögen und hoffentlich auch weiter teilen!

Ein kollektives Erfolgserlebnis

Ein Gastbeitrag von Renata Lück

Nun ist es also vorbei. Die Zeit des Schreibens und Gestaltens hat mit der heutigen Vorführung ihr vorläufiges Ende gefunden. Mit großer Spannung haben wir auf diesen Moment gewartet. Jeder von uns war ziemlich aufgeregt – wann hat man auch Gelegenheit, ein Stück Lebensgeschichte vor so vielen Menschen preis zu geben. Alle sechs Geschichten hatten so viel Tiefgang, waren so berührend. Wenn auch alle gänzlich unterschiedlich, waren sie am Ende durch die Offenheit und Authentizität sehr ähnlich. Durch den Feinschliff, den unsere Geschichten durch die wunderbaren Seminarbegleiterinnen erfuhren, wurde dieser Eindruck noch verstärkt. Die Besucher der Vorführung zeigten sich von den Filmen tief berührt. Sie brachten dies mit bewegenden Worten zum Ausdruck. Der Überraschungsfilm am Ende war ein wohl gelungener und liebevoller Abschluss. Mit viel Fingerspitzen- und Feingefühl wurden kleine Videos und Bilder aus dem Workshop gezeigt, die den Werdegang der einzelnen Arbeiten deutlich machten.

Storyteller: Die Geschichte hinter der Tonfigur

Dem Überraschungsfilm lag eine kleine Tonfigur zugrunde, die eine eigene Geschichte hat… Diese Geschichte spielt im Jahr 1985. Wir waren auf einer Rundreise durch den amerikanischen Westen. In Arizona hatte uns der Grand Canyon mit seiner unermesslichen Schönheit und Weite in sprachloses Staunen versetzt. Nun wollten wir uns mit den Lebensverhältnissen der indianischen Ureinwohner vertraut machen. Der krasse Gegensatz zu der Postkartenlandschaft des Grand Canyon war gewaltig.

Tradition der Native Americans

In einem Reservat standen dicht gedrängt kleine Buden und Verkaufsstände, an denen Kunsthandwerk jedweder Art angeboten wurde. Die Touristen strömten in Scharen an den Ständen vorbei. Es war eine unwirkliche Atmosphäre. Die Native Americans wurden regelrecht zur Schau gestellt. Es war ihnen nicht erlaubt, außerhalb des Reservats ihrer Arbeit nachzugehen. Das US Gouvernement hatte ihnen auf ihrem angestammten Land ein winziges Stück zugewiesen. Sie waren wie eingepfercht. Es wurde uns bewusst, dass auch wir zu den gaffenden Touristen gehörten. Kein schönes Gefühl. Ein Stand mit außergewöhnlichen Tonfiguren zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Viele Figuren in unterschiedlichsten Größen und Ausfertigungen verteilten sich auf den Regalen. Sie hatten alle eins gemeinsam. Frauenfiguren mit geschlossenen Augen und einem kreisrund geöffneten Mund. Jede Menge Kinder in den Armen und auf dem Schoß.

Wissensvermittlung durch Geschichten erzählen

Eine junge Native American saß im hinteren Teil der Bude und formte die Tonfiguren. Auf unsere Frage, ob wir ihr eine Weile zuschauen dürften, bot sie uns Plätze an und lud uns ein, eine Weile bei ihr zu sein. Neugierig fragte ich sie nach der Bedeutung der Figuren. Sie erzählte uns, dass die Indianer ihr Wissen und ihre Weisheiten sowie ihre Geschichten immer mündlich von einer Generation zur nächsten weitergeben. Einzige Ausnahme sind Wandmalereien in alten Felsenhöhlen. Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen.

Frauenfigur verkörpert die große Mutter

Die Frauenfigur verkörpere die große Mutter, die ihre Weisheit aus ihrem Inneren – daher die geschlossenen Augen – aus vollem Herzen und mit weit geöffnetem Mund an ihre Nachkommen weitergibt. Die Kinder in ihren Armen und auf ihrem Schoß stehen für die vielen Generationen. Je mehr die junge Frau erzählte, desto mehr leuchteten ihre Augen. Die Liebe und tiefe Verbundenheit zu ihren Ahnen war fühlbar. Sie erzählte uns, dass sie es als Auftrag der Ahnen sehe, die Figuren herzustellen und zu verkaufen. So werde die Tradition gewahrt und der Lebensunterhalt gesichert. Sie nennt sie „ the Storyteller“! Das alles erzählte sie uns auf eine ganz natürliche und schlichte Weise. Nie werde ich die leuchtenden Augen in dem jungen, weisen Gesicht vergessen. Ich bat sie, eine Figur für mich auszusuchen, die nach ihrer Meinung zu mir passe. Sie legte mir „the Storyteller“ in die Hände. Für mich war dies die Einladung, von nun an das Wissen der Frauen weiter zu geben. So durfte ich einen Teil der großen Traditionen der Indianer in mein Leben übernehmen.

Ein Geschenk an die Frauen von StoryAtelier

Heute habe ich diese Tradition mit großer Freude weiter gereicht. Die kleine Figur ist in den Besitz der Frauen vom StoryAtelier übergegangen – wo sonst soll denn ein“ Storyteller“ auch hingehören!!! Ich danke den wunderbaren Frauen des StoryAteliers, dass sie mir das Geschenk des Annehmens gemacht haben. Übrigens: Die indianische Künstlerin stellt immer noch Tonfiguren her. Sie hat sich zu einer namhaften Künstlerin entwickelt und lebt heute in New Mexico.

Mein Köln

Melina Garibyan Zoobrücke Köln. Cologne the million City Story.

Jeder Mensch stellt sich mindestens einmal im Leben den elementarsten Fragen der Menschheit: Wer bin ich? Wo komme ich her? Was hat mich geprägt? Was bleibt zurück, wenn ich fort bin? Was ist es, dass uns dazu bewegt uns ständig mitteilen zu wollen? Die alten Griechen nannten es „das Streben nach Unsterblichkeit“, die Jugendlichen wollen „berühmt sein“ doch am Ende wollen wir alle nur eins: Unvergessen bleiben. Wir wollen das unser Wirken von Bedeutung für andere war, so klein unser Wirkungsradius auch ist. Wir möchten das unser Einfluss Menschen bewegt und Veränderungen anstößt. Das gibt uns das Gefühl Bedeutungsvoll zu sein. In unseren Workshops tun wir genau das: Wir stellen uns den elementarsten Fragen und suchen nach den Einflüssen in unserem Leben. Wir helfen einen Teil der Lebensgeschichte zu verdichten, zu Papier zu bringen und mit digitalen Mitteln Leben einzuhauchen. In dem Film „Mein Köln“ geht es um diese Fragen. Wo komme ich her, wo lebe ich und was hat mich mehr geprägt? Die Herkunft oder die Lebensumgebung? Gerade in Köln sind diese Identitätsfragen von sehr großer Bedeutung, denn Köln ist bunt! Doch schaut selbst!

Erzähl-Mahl

Am 10. Juni ist es soweit. Wir erwarten schon voller Spannung den ersten EM-Abend in Köln. EM für Erzähl-mahl!. Klar, auf die Europa-Meisterschaft freuen wir uns auch, die läuft noch eine Weile weiter. Um 19 Uhr startet also das 1. Kölner Erzähl-mahl!.

Es ist die 14. Edition dieses Formats, das letztes Jahr in München gegründet wurde und bereits nach Berlin und Hamburg gewandert ist. Brigitte, die Süddeutsche und einige Food-Blogs berichteten. Die Worte „Sehnsucht“, „hochwertig“, „Spaß“, „zuhören“ fallen oft. „Der Anspruch, durch die Geschichten auch etwas über sich selbst zu erfahren, funktioniert“, schreibt Sabine Sikorski überzeugend in einem Beitrag auf ihrem Blog Mucbook.de zum allerersten Erzähl-mahl! im August 2015.

Eine Geschichte wird erst dann wirklich zu einer Geschichte, wenn man sie jemandem erzählt hat. Diese Überzeugung teilen wir mit den Gründerinnen des Erzähl-mahls Katrin Frische und Barbara Zevnik.

Genauso teilen wir die Einschätzung, dass wir wieder eine bessere Balance zwischen analogem und digitalem Leben brauchen, dass wir wieder mehr Alternativen zum Small-talk ausleben sollten: Big-talk! Deep-talk! Slow-talk! Great-talk! Broad-talk!

Ja, dafür braucht es etwas Zeit. In der ach-so rationalisierten Business-Welt spricht man gerne von „return-on-investment“. Möglichst schnell und zackig. Als neue Botschafterinnen des Erzähl-Mahls! Köln möchten wir Euch mit diesem 3-Gänge-Dinner der anderen Art etwas viel Wertvolleres schenken, einen „return-on-time“.

Möglichst genüsslich und intensiv erlebt. Ihr werdet staunen, lachen, genießen, sinnen, zuhören, teilen. Ganz ohne Smartphone.

Das Café Central haben wir uns im Übrigen nicht zufällig ausgesucht. Das Kultur-Café im belgischen Viertel lebt ganz den Geist des Slow-foods: Mit anteilig eigenem Anbau, regional und sehr viel Bio. Küchenchef Nadir hat für uns ein feines Menü zusammen gestellt:

Aperitif

***
Maracuja-Tomaten Suppe mit Basilikum Espuma

***
Gefüllte Kikok-Hähnchenbrust mit Mozzarella und Kerbel auf Spargel-Risotto und Akazienhonigjus

ODER

Gebratenes Lachsfilet in Safran-Zitronen-Velouté mit Fingermöhren und Kaiserschoten-Püree

***
Erdbeer-Cointreau Mousse mit Rhabarberkompott

Es sind noch einige Plätze frei, wir freuen uns auf Euch!
Anmeldung und Tickets über die Webseite www.erzaehl-mahl.de

VOICES IN BETWEEN – Vom Dunkel ins Licht

Wir beenden die Reihe „VOICES IN BETWEEN“ mit einem letzten, sehr starken Video von Kais, einem weiteren Gründungsmitglied von Voices of Jasmine e.V.. Mit seiner digitalen Geschichte spricht er Gefühle aus, die viele Menschen empfinden. Die Trauer darum, dass das eigene Land nicht mehr das ist, was es mal war. Das Land aus Kindheits-erinnerungen. Viele Träume und Wünsche mussten Platz machen für die Wirklichkeit, auch hier in Deutschland. Dennoch ist die Aussicht seiner Geschichte durch und durch positiv, denn die Revolution war für ihn und seine Freunde die Geburt des Vereins Voices of Jasmine. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich bei den wundervollen Menschen von Voices of Jasmine e.V., die mit ihrem Talent, Ihren Geschichten und ihrer positiven Weltanschauung bewegt haben.