Kein Silvester ohne den torkelnden Butler James und die senile Miss Sophie.
Der Fernseh-Klassiker „Dinner for one“ gehört zum Jahreswechsel wie Feuerwerk und Sekt und ist zu einer Tradition geworden. Manche Traditionen haben eine lange Geschichte, manche entstehen neu.

Im März 1963 flimmerte der Sketch erstmals in Deutschland über die Bildschirme. Seit 1972 ist er in Deutschland fester Bestandteil des Silvestervorabendprogramms, wie auch in weiteren rund 20 Ländern der Welt. Jedes Jahr aufs Neue schalten sich Millionen Zuschauer ein. Der Satz „The same procedure as last year“ bekommt fortan eine weitere Bedeutung.

Der 18-Minüter erzählt die Geschichte von Miss Sophie (May Warden) – einer Adeligen, senilen Dame, die Ihren neunzigsten Geburtstag feiert. Wie jedes Jahr lädt sie dazu ihre liebsten Freunde ein: Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom. Die Tatsache, dass Ihre Freunde längst verstorben sind, ignoriert die alte Dame hartnäckig – zum Leidwesen ihres Butlers James (Freddie Frinton).

Um seine Hausherrin zufrieden zu stellen, schlüpft James bei jedem Gang, den er serviert, in die Rolle der vier imaginären Gäste. Entsprechend oft muss der arme Butler mit Miss Sophie anstoßen. Der Anblick des betrunkenen, torkelnden Butlers, der bei (fast) jeder Runde um den Tisch über einen Tigerkopf stolpert, sorgt bei den Zuschauern jedes Jahr aufs Neue für Gelächter.

Zeitweise lockten Frinton und Warden sogar mehr Menschen an als die Neujahrsansprache der Bundeskanzler.

Weshalb ist das so?

 

Tradition! Tradition liegt in der menschlichen Natur. Traditionen geben uns Sicherheit. Sie wirken auf uns wie „stabile Zonen“ in einer sich rasant verändernden Welt. Häufig verbinden wir sie mit etwas Angenehmen, mit gutem Essen, Fröhlichkeit, bunten Phantasiegebilden, Gemeinschaft und Wohlbefinden. Wir haben aber auch Traditionen, die helfen schwierige Phasen z.B. Tod und Beerdigungen durchzustehen.

„Dinner for one“ kombiniert alles. Geburtstag, Essen, Fröhlichkeit, Gemeinschaft und Tod. Jedes Jahr feiert Miss Sophie ihren neunzigsten Geburtstag. Jedes Jahr lädt sie ihre verstorbenen Freunde ein. Jedes Jahr schalten viele Menschen ein, um den Jahreswechsel mit James und Miss Sophie zu beenden, die bei uns einen Rückblick auf das Jahr hervorrufen. Einen Rückblick mit einer angenehmen Leichtigkeit, die uns manchmal im Leben fehlt.

Mit Sophies und James Geschichte lassen wir wieder etwas Leichtigkeit in unser Leben.

Wenn eine fiktive Geschichte, ein Sketch das mit uns machen kann, was können dann erst die Geschichten unserer Familien?

Dem wollen wir 2016 auf den Grund gehen. Bis dahin wünschen wir einen guten und leichten Rutsch ins Neue Jahr 2016.

 

Euer StoryAtelier Team

 

 

 

Rundum Storytelling Köln. Junge sitzt auf einer Mauer.

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