Human

Human

Ein Gastbeitrag von Charme und Melone

“Every story is unique, but do we all have the same desires for LOVE, FREEDOM and RECOGNITION?”

This is the question Yann Arthus-Bertrand, french photographer is asking with his project “HUMAN”.
What are the driving forces of humanity? What keeps us fighting? Why do we continue to make the same mistakes?

“HUMAN” captures beautifully aerial shot landscapes of nature and humanity in contrast to close ups of people narrating their story. Stories of experiences, strokes of fate but also everyday life all over the world.

Stories are what keeps us alive. They are food to our soul.

Yann Arthus-Bertrand creates wonderful pieces of art in photography like “HOME”, “Plante Earth” or “La terre vue du ciel”. With his signature being the aerial filming and photography we become eyewitnesses of earth’s beauty. His close up filming of faces becomes like his aerial filming too, a walk through delicacy of life. The narrated interviews invites to rethink our goals in life and to be thankful for what we have.

Gedächtnisweltmeister sind Storyteller

Gedächtnisweltmeister sind Storyteller

Christiane Stenger ist eine deutsche Fernsehmoderatorin, ehemalige Nachwuchs-Gedächtnissportlerin und Sachbuchautorin.

In der Grundschule verweigerte Christiane Stenger den Unterricht und bekam Bauchschmerzen.
Durch Zufall entdeckten ihre Eltern Ihre Hochbegabung und schickten Sie an ein Internat für Hochbegabte, das Internatsgymnasium Schloss Torgelow.

Von 1999 bis 2003 wurde Christiane Stenger wiederholt Juniorenweltmeisterin im Gedächtnissport. Ihre Technik erlernte Sie in ihrer Jugend bei Gunther Karsten. Der Stern berichtet bereits 2014, dass man kein Überflieger sein muss, um die Techniken der Gedächtnisweltmeister nutzen zu können.

„Jeder kann das. Gedächtnisprofis sind zwar genial, hinter ihrer Merkfähigkeit steckt aber auch ein System.

Das Grundprinzip, das sagenhafte Gedächtnisleistungen ermöglicht, ist einfach: Was auch immer Sie sich merken wollen, müssen Sie im Geiste mit Bildern verknüpfen – und zwar möglichst fantasievoll und persönlich.

Das Gehirn behält Außergewöhnliches viel besser als Banales. Je merkwürdiger eine Assoziation ist, desto besser können Sie sich erinnern. Dieses Prinzip kann mit unterschiedlichen Techniken umgesetzt werden
Im Alltag gibt es viele Gelegenheiten, die Gedächtnistechniken auszuprobieren und anzuwenden – ob beim Vokabeln büffeln, Einkaufslisten merken oder Geburtstage erinnern. Testen Sie es!

SPIEL GEDÄCHTNISÜBUNG
Wie gut können Sie sich Begriffe merken?

Geschichtentechnik

Die einfachste Methode ist die Geschichtentechnik. Dabei verknüpfen Sie alle Informationen, die Sie sich einprägen möchten, zu einer möglichst lustigen und außergewöhnlichen Geschichte. Wollen Sie sich zum Beispiel die Einkaufsliste „Spaghetti, Tomaten, Limonade, Käse und Ananas“ merken, sollten Sie sich dazu eine Geschichte ausdenken. Ihrer eigenen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – je verrückter, desto besser.

Beispiel von Christiane Stenger:

Sie sehen vor sich eine Packung Spaghetti, die hinter den Tomaten hinterherläuft, um sie zu fangen. Dabei stolpert eine kleine Tomate über eine Limoflasche und fliegt in hohem Bogen auf ein Stück Käse und lässt sich von der Ananas trösten …“

Weitere Techniken stellt Christiane bei Gedankentanken vor:

Vom Vergessen und falschen Erinnern

Vom Vergessen und falschen Erinnern

Geschichten helfen uns nicht zu vergessen, doch warum vergessen wir Manches und an Anderes wiederrum erinnern wir uns, obwohl es unwichtig erscheint.

dasGehirn.info geht dem auf die Spur – ein Artikel von Hanna Drimalla

Wir vergessen Geburtstage, verlegen Schlüssel – und manches, an das wir uns erinnern, hat so nie stattgefunden. In unserem Gedächtnis geht so manches schief. Doch die Fehlleistungen geschehen nicht ohne Grund.

Wie wir vergessen

Im Alltag beruhen die meisten Gedächtnisfehler auf Geistesabwesenheit. Oft ist der Grund geringe Aufmerksamkeit, weil man parallel etwas anderes tut oder die Handlung automatisiert abläuft, wie etwa das Einräumen des Kühlschranks. Versuchen Sie doch einmal, sich zu erinnern, wie ein 1-Cent-Stück aussieht, das Sie schon so oft in den Händen hatten. Wenn man nicht darauf achtet, wie die Münze aussieht oder wo man den Autoschlüssel hinlegt, hält es auch das Gedächtnis für unwichtig und speichert die Information nicht.

Aber auch abgespeicherte Erinnerungen verblassen wie alte Fotos, wenn sie nicht regelmäßig abgerufen werden. Das liegt daran, dass das Gedächtnis dafür gebaut ist, unnötige und überholte Information zu vergessen. Würde sich das Gedächtnis alles merken, wäre es mit nutzloser Information überflutet. Dies zeigt der Fall des russischen Gedächtniskünstlers Solomon Shereshevsky, der sich minutenschnell Buchseiten, fremdsprachige Gedichte oder bis zu siebzig Zahlen merken konnte – dem es aber schwer fiel, die Informationen wieder zu vergessen. Regelrecht verfolgt fühlte sich Shereshevsky von dem Haufen sinnloser Erinnerungen in seinem Gedächtnis. Dem Gedächtnisprofi fiel es schwer, abstrakt zu denken, Inhalte zu generalisieren, zu ordnen und zu bewerten.

Normalsterbliche beschäftigen eher andere Probleme: „Wie heißt er noch gleich, der neue Kollege? Es liegt mir auf der Zunge!“ Dieses bekannte Phänomen ist das bestuntersuchte Beispiel für eine Blockierung. Die Erinnerung an ein Erlebnis oder eine Information liegt im Gedächtnis, aber lässt sich nicht abrufen. Dahinter steckt ein sinnvoller Mechanismus: die so genannte abrufinduzierte Hemmung. Das Gedächtnis hemmt dabei ganz gezielt Informationen, die in einer bestimmten Situation nicht von Bedeutung sind. Reden wir beispielsweise mit einem Freund über alte Schultage, werden andere Erinnerungen, die wir mit dieser Person gemeinsam haben, blockiert, so dass sie auch in späteren Situationen nicht mehr abrufbar sind. Würden alle Erinnerungen gleichzeitig das Gehirn überfluten, ginge das Wesentliche darin unter. Warum jedoch das Gedächtnis manchmal genau das Falsche blockiert, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Erinnern mit rosaroter Brille

Doch selbst wenn wir uns erinnern, können wir unserem Gehirn nicht immer trauen. Das menschliche Gedächtnis färbt Erinnerungen mit den aktuellen Gefühlen und dem jetzigen Wissen – sie werden so den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Wenn ein Paar etwa gerade glücklich miteinander ist, färbt sich auch die Erinnerung der Liebenden an die Vergangenheit rosig. Fühlen sie sich dagegen in der Beziehung nicht wohl, meinen sie zu erinnern, dass dies schon früher so war.

Aber nicht nur die aktuelle Stimmung verzerrt Erinnerungen, sondern auch Vorurteile: Bei afroamerikanischen Namen glauben US-Amerikaner eher als bei europäischen Namen, dass sie diese im Zusammenhang mit einem Verbrechen schon gehört hätten. Das Gedächtnis, zeigt sich, ist ein eher unzuverlässiger Geselle. Wenn Erinnerungen trügen Es kommt sogar noch schlimmer: Unser Gedächtnis verfärbt Erinnerungen nicht nur, es verfälscht oder erfindet sie sogar. Dafür verantwortlich sind Fehlattributionen und Suggestibilität. Bei einer Fehlattribution wird die Erinnerung der falschen Zeit, dem falschen Ort oder der falschen Person zugeordnet. Dass Donald Thompson der Vergewaltigung beschuldigt wurde, ist ein klassisches Beispiel hierfür. Aber auch ungewollte Plagiate beruhen manchmal auf Fehlattribution. So komponierte das Beatle-Mitglied George Harrison als Solist den erfolgreichen Song „My sweet Lord“. Doch die scheinbar eigene Idee war eine Kopie des Beatle-Songs „He’s so fine“. Die erinnerten Noten hatte Harrison fälschlich seiner eigenen Kreativität zugeordnet.

Ursache solcher Fehlleistungen ist das Bemühen des Gedächtnisses, sich nur das Wesentliche zu merken. Meistens ist die Quelle einer Erinnerung nicht so wichtig. Es ist oft entscheidender, dass man weiß, was jemand erzählt hat, als, wer es erzählt hat. Auch ist es in den meisten Fällen einfacher, ein Ereignis selbst zu erinnern, als den raum-zeitlichen Kontext, in dem es stattgefunden hat.

Bisweilen funktioniert unsere Erinnerung nicht ganz perfekt, wie der False-Memory-Test beweist: Wer sich die aufgeführten Worte merkt und später aufschreibt, wird auf seinem Zettel unter Umständen auch Worte finden, die er sich nicht gemerkt hat. Wie die meisten Gedächtnisfehlleistungen treten Fehlattributionen im Alter häufiger auf. Man spricht auch von einem altersbedingten Assoziationsdefizit. In einem Experiment aus dem Jahre 1995 können Sie testen, wie anfällig sie für diese Sünde sind (siehe Bild). Der Versuch stammt von den Psychologen Kathleen McDermott und Henry Roediger, die beide an der Washington University in St. Louis arbeiten.

Der Einfluss der Anderen

Auch bei der Suggestibilität erinnert das Gehirn etwas, das so nicht passiert ist. Ein bekanntes Beispiel ist die „Lost in the Mall“-Studie der Psychologin Elizabeth Loftus von der University of Washington: Darin wurde der Junge Chris von seinem älteren Bruder gefragt, ob er sich noch erinnere, wie er als Fünfjähriger im Einkaufszentrum verloren ging. Als der Junge verneinte, erzählte ihm sein Bruder davon. Nach einigen Tagen meinte Chris sich zu erinnern und konnte sogar den Mann beschreiben, der ihn zurück zu seiner Mutter brachte: „Ich glaube, er trug ein blaues Flanell-Shirt, war ziemlich alt, hatte einen Kranz grauer Haare auf dem Kopf und eine Brille.“

Diesen Mann jedoch gab es nie. Ebenso wenig war Chris je in einem Einkaufszentrum verloren gegangen: Loftus hatte den älteren Bruder gebeten, sich eine Erinnerung auszudenken und sie seinem Bruder zu erzählen. Das allein genügte, um Chris das Gefühl zu geben, diese Geschichte tatsächlich erlebt zu haben. In einer weiteren Untersuchung stellte Elizabeth Loftus fest, dass sich etwa ein Viertel der Teilnehmer bereits nach zwei Interviews, in denen sie auf bestimmte Erlebnisse aus ihrer Kindheit angesprochen wurden, an Ereignisse erinnert, die gar nicht stattgefunden hatten. Auch durch Hypnose oder Trauminterpretation lassen sich falsche Erinnerungen in das Gedächtnis der Patienten einpflanzen, entdeckte die Wissenschaftlerin. Doch veränderte Erinnerungen wirken sich nicht nur auf das Gedächtnis aus. Probanden, denen Loftus eingeredet hatte, ihnen sei als Kind von hartgekochten Eiern schlecht geworden, aßen danach weniger gerne Eier. „Wenn du eine Erinnerung veränderst, verändert sie dich“, betont Loftus. „Erinnern ist ein kreativer Prozess“

 

Wenn Erinnerungen quälen

Neben Vergessen und fehlgeleiteter Erinnerung kann auch eine allzu dominante Erinnerung Probleme bereiten. Wer unter der so genannten Persistenz leidet, kann den Abruf einer Erinnerung nicht kontrollieren. Sie drängt sich auf, lässt sich weder unterdrücken noch gezielt vergessen. Oft tritt Persistenz nach traumatischen Erlebnissen auf.

Auch emotionale Erlebnisse lassen übrigens Erinnerungen lebhafter werden. Verantwortlich hierfür ist die Amygdala, eine mandelförmige Struktur in der unteren Innenseite des Gehirns. Die Amygdala ist eine stammesgeschichtlich alte Struktur, die in einer Vielzahl von Spezies für das emotionale Lernen zuständig ist. Sie drückt emotionalen Erinnerungen den Stempel „Wichtig, nicht vergessen!“ auf. Man geht davon aus, dass das emotionale Lernen evolutionäre Vorteile hat.

Es klingt deprimierend: Vergessen, verformt und verzerrt sind unsere Erinnerungen. Doch der Gedächtniswissenschaftler Daniel Schacter korrigiert: „Die Sünden mögen nervig und gelegentlich gefährlich sein. Doch sie sollten nicht als Fehler im System betrachtet werden.“

Die Fehlleistungen zeigen, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert. Aus all der Information, die auf es einprasselt, filtert es das Wichtige heraus: Das, was neu ist, was man aufmerksam verfolgt, oft benötigt oder was einen emotional berührt. Was gerade unwichtig oder vertraut ist, hemmt das Gedächtnis oder beachtet es erst gar nicht, damit es nicht stört. Damit das Gehirn entscheiden und abstrakt denken kann, bündelt das Gedächtnis die Informationen thematisch, bildet Kategorien und fügt alles zu einem stimmigen Bild zusammen, das mit der aktuellen Bedürfnislage und unseren übergeordneten Handlungszielen in Einklang steht. So hilft uns das Gedächtnis, nicht nur Informationen abzuspeichern, sondern auch mit ihnen zu leben.

Für diesen Artikel wurde die Autorin Hanna Drimalla im Januar 2012 mit dem dritten Platz des Konrad-Duden-Journalistenpreises ausgezeichnet. Der Preis würdigt „eine herausragende sprachliche Berichterstattung“. Für diesen Artikel wurde die Autorin Hanna Drimalla im Januar 2012 mit dem dritten Platz des Konrad-Duden-Journalistenpreises ausgezeichnet. Der Preis würdigt „eine herausragende sprachliche Berichterstattung“.

 

 

 

 

Das Hirn braucht Helden

Das Hirn braucht Helden

Menschen brauchen Geschichten.

Geschichten helfen uns, uns selbst und unsere Umwelt zu begreifen. Wir erfassen alles um uns herum im Kontext. In der Wissenschaft nennt man das „Narrative Psychologie“. Man geht davon aus, dass der Mensch Ereignisse im Zeitablauf zu Geschichten verknüpft, um bestimmte Situationen in der Gegenwart zu begreifen. Das Gedächtnis spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Es erfasst Informationen besser, wenn sie in Geschichten verpackt sind. Voneinander losgelöste Einzelinformationen, machen es dem Gedächtnis schwer sie sich zu merken, denn das Hirn hat die schlechte Eigenschaft allem Bedeutung beizumessen. Mit Hilfe von Geschichten kann man besser zwischen wichtiger und unwichtiger Information differenzieren. Ausserdem helfen die Geschichten sich größere Menge an Informationen gleichzeitig zu merken.

Bevor jedoch etwas in der Erinnerungsdatenbank gespeichert wird, kategorisiert das Hirn in bereits Erlebtes oder Unbekanntes. Synapsen verknüpfen das gerade Erlebte mit bekannten Mustern und versuchen die richtige Verhaltensweise dafür zu finden. Unbekanntes, neu Erlebtes wird verglichen. Gibt es kein vergleichbares Gefühls-/Verhaltensmodell dafür, so greift das Hirn aber auch auf alte Muster zurück und entwickelt ein Neues. Das Hirn spiegelt aber auch Verhaltensweisen, das heißt es schaut sich Verhaltensmuster anderer Menschen ab.

Alle Geschichten sind immer nur Varianten von bekannten Geschichten. Es gibt nichts, was es noch nicht gab! Es gilt die beste Variante zu finden. Dabei folgen alle Geschichten einem Urmuster:
Problem – Lösungsversuch – Leidensdruck – Lösung.

 

In dieser universalen Geschichtsstruktur haben Helden die Hauptrolle. Sie helfen uns, uns hinein zu versetzen. Wir sind emphatische Wesen, die andere Menschen brauchen, um zu überleben. Sie machen die Geschichte lebendig und projezierbar. Jeder Held verkörpert bestimmte Eigenschaften, um komplexe Ideen wie Selbstlosigkeit, Stärke, Nächstenliebe, Gerechtigkeit etc symbolisch darzustellen. All diese Umstände befördern die Information in das Langzeitgedächtnis.

Der Wahrheitsgehalt einer Geschichte spielt dabei weniger eine Rolle, als die Wahrscheinlchkeit eines guten Ausgangs. Es geht um Glauben, nicht um Wahrheit. Viele nennen dies auch „Hoffnung“.

 

Informationsquellen: Das Hirn braucht Helden – Dr. Werner Fuchs, Hirnforscher

Alexander Kluge: Das Handwerk des Erzählers

Alexander Kluge: Das Handwerk des Erzählers

Video und Text entnommen dem Youtube-Kanal der kleinen Filmfabrik

Alexander Kluge liest im Münchner Literaturhaus aus seinem Erzählband „Das fünfte Buch“ (u. a. eine Darstellung von Präsident Obamas Rolle im „Situation Room“ des Weißen Hauses bei der Tötung Bin Ladens) und spricht über sein Verhältnis zum Film und zur literarischen Erzählform. Eine Hommage der kleinen filmfabrik an Alexander Kluge zum 80. Geburtstag im Februar 2012.

http://www.kluge-alexander.de
http://www.literaturhaus-muenchen.de

LIZENZ:
Standard-YouTube-Lizenz

Unser erster digital Storytellig Workshop

Unser erster digital Storytellig Workshop

Wie es ist, einen Digital Storytelling Workshop zu leiten, weiß man erst am Ende des Workshops. Ich habe schon des Öfteren vor größeren Menschengruppen vorgetragen und hatte mir meine eigenen Methoden zurecht gelegt. Aber einen Workshop mit Digital Storytelling zu leiten, ist etwas völlig anderes. Während man bei Kulturführungen gezielt Fragen stellt und nur „richtige“ Antworten zulässt, bei Seminaren und Präsentationen vorwiegend Monologe führt und sich auf die kritischsten Fragen vorbereitet, so kommt man bei Digital Storytelling mit diesem Wissen nicht weit. Hier heißt es, sich ganz gezielt zurück zu nehmen. Man ist zugleich Moderator und aktiver Zuhörer. Man stellt mehr Fragen, als man welche beantwortet. Das Ziel ist dabei, den Personen zu helfen, selbst ihre Geschichte zu finden, zu erzählen. Die Teilnehmer selbstbestimmt arbeiten zu lassen und Begleiter zu sein!

Zuhören und Zurücknehmen

Zuhören! Ein wichtiges Wort, das zuweilen missbraucht wird. Zuhören verkommt zum geduldigen Warten darauf, selbst endlich reden zu dürfen. Die Antworten sind nur vorgetragenes Wissen und dienen oft nur noch der Selbstdarstellung.

„Wenn man mir nicht zuhört, dann ist das so, als ob ich nicht da bin.“ So die Aussage einer 7-jährigen Grundschülerin aus einem Hörclub der Stiftung Zuhören. Ziel der Stiftung Zuhören als führende Organisation der Zuhörförderung in Deutschland ist es, das Zuhören in allen Bereichen unserer Gesellschaft sowie die Medienbildung in allen Bevölkerungsgruppen zu fördern. Ein Ziel welches wir mitverfolgen.

Verspürt eine Person Wertschätzung ohne, dass der Zuhörer selbst etwas dafür verlangt, so ist diese Person offener für einen freundschaftlichen Dialog. Es ist diese Qualität, diese Feinheit, die mich an der Arbeit mit Digital Storytelling so fasziniert und mich auch erfüllt! Denn gerade in diesem Moment habe ich persönlich viel über mein Gegenüber, aber viel mehr noch über mich gelernt.

Zuhören ist der Anlasser des Geschichtenmotors

Die daraus resultierende Kraft ist unermesslich. Durch kritische Selbstreflektion verstehen wir erst richtig, was unsere Geschichte eigentlich ist und schaffen die nötige Distanz für kreative Prozesse. Nach drei bis vier Tagen verlassen die Teilnehmer den Workshop nur ungern. Denn das Gefühl des Stolzes und der Anerkennung ist in diesem Moment am Höhepunkt.

Geschichten sind machtvoll, ja. Viel machtvoller ist aber das Gefühl, alles schaffen zu können. Und genau das ist es, was Geschichten tun. Sie pflanzen einen Samen ein, der durch das Erzählen genährt und hinausgetragen wird aber erst durch das Zuhören Berge versetzen kann.

Ich bin stolz ein Teil davon zu sein!